Abbas etwas enttäuscht
Israel lässt palästinensische Gefangene frei

Israel hat sich am Sonntag bereit erklärt, weitere hunderte palästinensische Gefangene freizulassen. Damit enttäuschte Israel zwar die Hoffnung des palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas auf eine volle Amnestie, hielt aber den internationalen Nahost-Friedensplan in Bewegung.

Reuters JERUSALEM. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon habe Abbas die Freilassung bei einem Gespräch über die weitere Umsetzung des Friedensplans in Jerusalem zugesichert, sagte der palästinensische Informationsminister Nabil Amr. „Das ist ein guter Fortschritt.“ In israelischen Regierungskreisen wurden die Angaben bestätigt. Die Freilassung aller rund 6 000 Gefangenen ist eine der Hauptforderungen der Palästinenser.

Nach israelischen Angaben sollen die Listen mit den freizulassenden Inhaftierten erst erstellt werden, nachdem Abbas und Scharon Ende des Monats getrennte Gespräche mit US-Präsident George W. Bush geführt haben. Scharon habe es begrüßt, dass Abbas den israelfeindlichen Palästinenser-Gruppen einen dreimonatigen Gewaltverzicht abgerungen habe, sagte ein Sprecher Scharons. „Der Ministerpräsident sagte seinem Gesprächspartner, dass Israel die Tatsache nicht ignorieren könne, dass in jüngster Zeit der Terrorismus und die Aufwiegelung deutlich nachgelassen haben.“

Nur Stunden später jedoch sprengte sich nach israelischen Armeeangaben in der Nähe von Dschenin im Westjordanland ein Mitglied des Islamischen Dschihad versehentlich in die Luft. Der Täter habe eine Mine legen wollen, die einer israelischen Patrouille gegolten habe.

In Jerusalem habe ein vermutlich palästinensischer Angreifer einen israelischen Passanten mit einem Messer schwer verletzt, teilte die Polizei mit.

Radikale Palästinenser-Gruppen wie die Hamas und der Islamische Dschihad haben mit einem Ende ihres Gewaltverzichts gedroht, sollten die Inhaftierten nicht alle aus der Haft entlassen werden. „Wenn sie einige der Gefangenen freilassen, ist das nicht zufrieden stellend“, sagte einer der Hamas-Anführer, Ismail Abu Schanab, vor dem Gespräch zwischen Abbas und Scharon. Israel fordert von den Palästinensern eine Zerschlagung der radikalen Gruppen. Abbas befürchtet jedoch einen Bürgerkrieg, sollte er zu hart gegen die Organisationen vorgehen.

Die USA hatten gemeinsam mit der Europäischen Union (EU), den Vereinten Nationen (Uno) und Russland den Nahost-Fahrplan ausgearbeitet, der für ein Ende der Gewalt in der Region sorgen soll und die Bildung eines Palästinenser-Staates bis 2005 vorsieht.

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