Abbas-Nachfolger Kureia verurteilt die Tat
Acht Tote bei neuem Selbstmordanschlag in Israel

Die Zahl der Opfer des palästinensischen Selbstmordanschlags östlich der israelischen Stadt Rischon LeZion hat sich am Dienstagabend auf acht erhöht. Bei der Explosion an einer Bushaltestelle nahe dem Armeestützpunkt Zrifin waren am frühen Abend weitere 30 Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Unter den Toten war auch der Attentäter.

HB JERUSALEM. Zuvor waren bei einem Gefecht zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern in der palästinensischen Stadt Hebron vier Palästinenser, darunter ein 13-jähriger unbeteiligter Junge getötet worden.

Zu dem Anschlag bekannte sich am Abend die radikal-islamische Bewegung Hamas. Am vergangenen Samstag war der Gründer und geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, bei einem misslungenen israelischen Tötungsversuch leicht verletzt worden.

Das neue Attentat ereignete sich genau drei Wochen nach einem blutigen Selbstmordanschlag in Jerusalem, bei dem am 19. August 23 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden waren. Zwei Tage später hatte Hamas eine neue Serie von Terroranschlägen in Israel angekündigt, nachdem die israelische Armee in Gaza den Hamas-Führer Ismail Abu Schanab bei einem Raketenangriff getötet hatte.

Seit Donnerstag höchste Alarmbereitschaft

Nach Angaben der Polizei war der Attentäter vom Dienstagabend in einem Auto zu der Haltestelle bei dem Armeestützpunkt Zrifin gefahren. Kurz darauf stieg der mit einem Mantel bekleidete Täter aus, ging auf die Soldaten zu und löste die Explosion aus. Berichte, wonach es sich bei dem Attentäter um eine Frau handelte, konnten nicht bestätigt werden. Unmittelbar nach der Explosion rasten Krankenwagen aus der ganzen Region zum Tatort. Die zahlreichen Verletzten wurden in das benachbarte Assaf-Ha-Rufeh-Krankenhaus gebracht. Polizeifahrzeuge nahmen sofort die Verfolgung des Wagens auf, mit dem der Attentäter gekommen war.

Die israelische Polizei war bereits am Dienstagmorgen in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, weil sie zahlreiche Warnungen vor neuen Terroranschlägen palästinensischer Extremisten hatte. Es wurde befürchtet, dass sich am Dienstag bereits ein zweiter Selbstmordattentäter in Jerusalem aufhielt.

Die israelische Regierung verurteilte den neuen Anschlag, der die Bemühungen um Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses in Frage stellt. Nach dem Rücktritt des palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas am Samstag hatte sein designierter Nachfolger Ahmed Kureia am Dienstag mit Sondierungen zur Regierungsbildung begonnen. Bis zu seiner Wahl und Vereidigung führt Mahmud Abbas die Regierung kommissarisch weiter.

Kureia forderte in einem Zeitungsinterview am Dienstag ein bilaterales Waffenruhe-Abkommen mit Israel, das es ihm erlauben würde, bei Verstößen gegen die extremistischen Palästinensergruppen vorzugehen. Die israelische Regierung reagierte auf die Ernennung Kureias durch Palästinenserpräsident Jassir Arafat mit großer Skepsis. US-Außenminister Colin Powell forderte, dass Kureia künftig verstärkt gegen die terroristischen Palästinensergruppen vorgehen müsse.

Kureia verurteilte die Tat, zu der sich die Palästinenserorganisation Hamas bekannte, am Abend in einer Stellungnahme. „Wir sprechen unsere Trauer und unseren Schmerz über die unschuldigen Seelen aus, die ein Opfer der Gewalt geworden sind“, sagte Kureia in einer Erklärung. Er verurteile „alle Gewaltakte gegen Zivilisten, gleichgültig, ob sie sich gegen Palästinenser oder - wie heute - gegen Israelis richten“. Die palästinensische Führung verurteile die Gewalt, „weil sie keiner der Parteien Sicherheit und Freiheit bringen wird“, sagte Kureia.

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