Abgas-Skandal
EU verliert Geduld mit den Autokonzernen

Die EU-Kommission schlägt im Abgas-Skandal härtere Töne an. Industriekommissarin Bienkowska soll sich in einem Schreiben an die EU-Verkehrsminister gewandt haben – und drastische Maßnahmen fordern.
  • 11

BerlinDie EU-Kommission verliert laut „Süddeutscher Zeitung“ im Abgas-Skandal die Geduld mit Mitgliedsstaaten und Autoherstellern. In einem Schreiben an alle Verkehrsminister der Mitgliedstaaten fordere EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska, manipulierte Fahrzeuge radikal aus dem Verkehr zu ziehen, berichtete das Blatt in seiner Freitagausgabe. Sollten demnach etwa solche Autos von VW bis Ende dieses Jahres nicht umgerüstet sein, müssten sie ab 2018 stillgelegt werden. Zugleich werfe die EU-Kommission nationalen Prüfbehörden Versagen vor.

So äußere sie sich bestürzt darüber, dass auch die neuen Verdachtsfälle bei Audi und Porsche nicht von den Aufsichtsbehörden entdeckt worden seien. Bei der Bekämpfung der Krise fordere die Brüsseler Behörde eine härtere Gangart. Ein Ende der Affäre sei nach ihrer Einschätzung noch immer nicht in Sicht.

Der Zeitung zufolge warnt Bienkowska allerdings eindringlich vor dramatischen Folgen eines generellen Diesel-Fahrverbots. Politiker und Industrie könnten kein Interesse an einem „rasant kollabierenden Diesel-Markt infolge lokaler Fahrverbote“ haben, wurde sie zitiert: „Das würde der Industrie nur die Mittel entziehen, in emissionsfreie Autos zu investieren.“ Als äußerste Maßnahme zum Schutz der Bevölkerung schließe Bienkowska allerdings Fahrverbote nicht aus. Die Kriterien für solche Maßnahmen müssten ihrer Ansicht nach aber europaweit vereinheitlicht werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Abgas-Skandal: EU verliert Geduld mit den Autokonzernen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jetzt mal ganz ehrlich: Wir wissen doch, dass alle Autohersteller schummeln!? Abgaswerte und Spritverbrauch, usw..Wen interessiert es denn wirklich? Die Frage stellt sich doch, was hinter der neuesten Hysterie steckt? Profitieren werden am Ende auf jeden Fall die Autohersteller - nicht der einzelne Mitarbeiter, aber das Unternehmen und v.a. die Vorstände. Die Zeche zahlt der einzelne Bürger bzw. der böse Autofahrer. Aber für das geht man ja jeden Tag fleißig arbeien. Viele ja in der Autoindustrie. So schließt sich der Kreis wieder. Eigentlich sollte man aufs Fahrrad umsteigen. Aber Deutschland hängt ja so von Zetsche & Co. ab. Das neue Projekt wird auf jeden Fall die Autoindustrie ankurbeln. Die Umweltaspekte haben sicher nicht die erste Priorität.Unser System ist auf Verbrauch ausgelegt - und den muss man ankurbeln.

  • Richtig so, endlich mal eine tolle Idee aus der EU. Die Dreckskarren mit Traktormotor gehören abgeschafft.

  • Mag ja alles richtig sein. Was mich aber sehr verwundert ist, dass das Recht in der EU nur dann harte Anwendung findet, wenn es nicht um Bankenrettung und Staatsverschuldung geht. Oder mit anderen Worten. In der EU wird deutlich mit zweierlei Mass gemessen. Und das geht natürlich überhaupt nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%