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11.05.2008 
Birma

Abgelehnte Hilfe

Trotz weltweiter Hilfsangebote für die Bevölkerung Birmas eine Woche nach dem verheerenden Zyklon „Nargis“ kommt die Unterstützung nicht bei den Empfängern an. Auch am Samstag verweigerten die Militärs des extrem armen Landes zahlreichen Hilfsorganisationen die Einreise. Stattdessen ließen sie ihre Bürger über eine neue Verfassung abstimmen.

Mitglieder von „Ärzte ohne Grenzen“ verladen am Samstag Hilfsgüter für Birma. Noch ist nicht klar, ob sie überhaupt dort landen dürfen. Foto: dpaLupe

Mitglieder von „Ärzte ohne Grenzen“ verladen am Samstag Hilfsgüter für Birma. Noch ist nicht klar, ob sie überhaupt dort landen dürfen. Foto: dpa

HB RANGUN. Die Vereinten Nationen rechnen inzwischen mit bis zu 100 000 Toten. Fast zwei Millionen Menschen sind von Hunger, Durst und akuter Seuchengefahr betroffen. Ungeachtet dessen sollten die Menschen in Birma am Samstag über eine neue Verfassung abstimmen, mit der die Militärjunta ihre Macht zementieren will. Nur in den am schlimmsten von der Katastrophe betroffenen Bezirken darf in zwei Wochen nachgewählt werden.

Unterdessen wächst der Druck der Weltgemeinschaft auf die Militärjunta in Birma. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Machthaber auf, Hilfsorganisationen „ohne jede Behinderung“ so schnell wie möglich ins Land zu lassen. Er habe versucht, direkt mit der Regierung zu sprechen, doch sei ihm das bisher nicht geglückt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bestärkte Ban Ki Moon in einem Telefonat am Samstag darin, sich um eine Kontaktaufnahme zur Regierung in Birma zu bemühen, um Hilfslieferungen in das Katastrophengebiet zu ermöglichen. In einer Regierungsmitteilung hieß es, Merkel und Ban bezeichneten die Weigerung der birmanischen Regierung, mit den internationalen Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten, als „unakzeptabel“. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Die internationale Gemeinschaft hat die Verantwortung und das Recht, Menschen in Not zur Seite zu stehen, auch wenn die eigene Regierung sich dagegen sträubt.“

Frankreich kündigte an, für Hilfsgüter ein Kriegsschiff einzusetzen. „Wir haben entschieden zu handeln, ohne weiter zu warten“, sagte Außenminister Bernard Kouchner der Zeitung „Le Figaro“ (Samstag). Mit dem Kriegsschiff „Mistral“ sollen 1 500 Tonnen Hilfsgüter in das südasiatische Land geschickt werden. „Die Hilfe wird direkt an die Betroffenen verteilt (...)“, sagte Kouchner. „Es kommt nicht infrage, die Hilfe direkt an die Junta zu liefern.“ Am Samstag trafen die ersten russischen Hilfsgüter in Birma ein. In Rangun sei ein Transportflugzeug mit 30 Tonnen Zelten und Decken gelandet, meldete die Agentur Itar-Tass. Sie würden der Regierung übergeben, die selbst die Verteilung übernehme. Damit beugt sich Russland dem Diktat der birmanischen Regierung, Hilfsgüter abzuliefern und nicht selbst zu verteilen.

Hilfe für die Zyklon-Opfer brachte die Organisation Ärzte ohne Grenzen auf den Weg. Auf dem Flughafen Hahn (Rheinland-Pfalz) wurde am Samstag eine Maschine mit 35 Tonnen Hilfsgütern für Birma beladen, berichtete eine Sprecherin der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. Sie zeigte sich „sehr, sehr optimistisch“, dass die Flieger in Birma landen dürfen und dass die Organisation die Güter selbst entladen und verteilen darf. Ärzte ohne Grenzen habe dort über 43 internationale und 1 200 einheimische Mitarbeiter.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Militär hat Hilfsgüter konfisziert

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