Abgeordneter berichtet
Bestechung bei griechischer Präsidentenwahl?

Die griechische Regierung ist für die Wahl des Präsidenten auf Stimmen aus der Opposition angewiesen. Sollte ihr Kandidat scheitern, gäbe es Neuwahlen. Ein Oppositionsabgeordneter erzählt von einem Bestechungsversuch.
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AthenVor der mit Spannung erwarteten zweite Runde der griechischen Präsidentenwahl erhebt ein Oppositionsabgeordneter Bestechungsvorwürfe. Der Schauspieler und Abgeordnete der Partei Unabhängige Griechen, Pavlos Haikalis, sagte in einer TV-Livesendung am Telefon, jemand habe ihm 700 000 Euro in bar, die Rückzahlung von Kreditschulden und Werbeverträge angeboten, wenn er bei der Abstimmung im Parlament für den Kandidaten der Regierungskoalition, Stavros Dimas, votiere.

Die von Haikalis genannten Angebote summieren sich auf zwei bis drei Millionen Euro. Wer der Anrufer war, sagte er nicht. Er habe vor etwa zwei Wochen den Staatsanwalt informiert und Tonbänder und Videoaufnahmen übergeben.

Haikalis' Partei scheint ein bevorzugtes Ziel von Bestechungsversuchen zu sein. Im November hatte seine Abgeordnetenkollegin Stavroula Xoulidou erklärt, ein Mann habe ihr Geld angeboten, wenn sie für Dimas stimme.

Regierungssprecherin Sofia Voultepsi nannte die Vorwürfe schlechtes Theater. „Es ist offensichtlich, welches Ziel diese lächerlichen Auftritte haben: Die Präsidentenwahl soll scheitern, damit das Land vorgezogene Neuwahlen bekommt“, sagte sie. Haikalis solle seine Beweise veröffentlichen.

Dimas hatte am Mittwoch die nötige Zweidrittel-Mehrheit im Parlament klar verfehlt. Nach Ansicht von Beobachtern hat er nur in der dritten und letzten Runde am 29. Dezember eine Chance, wenn die notwendige Mehrheit auf 180 Abgeordnetenstimmen sinkt. Weil die Regierung aber nur über 155 Abgeordnete verfügt, ist sie auf Stimmen aus der Opposition angewiesen. Sollte Dimas scheitern, würde das Parlament aufgelöst und neu gewählt.

Umfragen sagen für diesen Fall nicht nur einen Sieg der linksgerichteten Oppositionspartei Syriza voraus, die die Sparauflagen für das überschuldete Griechenland neu verhandeln will. Haikalis' politisch rechts stehende Partei Unabhängige Griechen muss damit rechnen, bei Neuwahlen nicht wieder ins Parlament zu kommen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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