Abhörskandal um Murdoch
Opposition sieht Cameron in der Pflicht

Nach der Festnahme der Murdoch-Vertrauten Brooks nahm auch der Scotland-Yard-Chef seinen Hut. Mit Spannung wird nun Murdochs Auftritt vor Parlamentskomitees am Dienstag erwartet.
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LondonDie britische Opposition hat Premierminister David Cameron aufgefordert, sein Verhältnis zu Medienmogul Rupert Murdoch und anderen Akteuren im Abhörskandal offen zu legen. Cameron müsse zum Beispiel erklären, ob er mit Murdoch oder dessen Top-Managerin Rebekah Brooks bei gesellschaftlichen Ereignissen über eine Übernahme des Senders BSkyB gesprochen habe, forderte der Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei, Ed Miliband, am Montag. Die Opposition wirft Cameron vor, ein zu enges Verhältnis zu Murdoch gepflegt zu haben. Der Medienmogul wollte BSkyB übernehmen, gab dieses Vorhaben im Zuge der Affäre um unerlaubte Recherchemethoden aber auf. 

Miliband warf Cameron vor, durch frühere Entscheidungen im Hinblick auf Murdochs britischen Unternehmensarm News International heute „gelähmt“ zu sein. Cameron hatte unter anderem den früheren Chefredakteur des Murdoch-Skandalblattes „News of the World“ zu seinem Berater gemacht. Andy Coulson soll von den Abhör- und Bestechungspraktiken bei der Zeitung gewusst haben und war deshalb von der Polizei festgenommen worden. 

Cameron hatte eingeräumt, es sei ein Fehler gewesen, Coulson einzustellen. Er habe aber nichts von dessen möglichen Verwicklungen in den Skandal gewusst. Der Premier soll außerdem freundschaftliche Beziehungen zu Brooks unterhalten haben. 

Am Wochenende hatten sich die Ereignisse in der Affäre um abgehörte Telefone und bestochene Polizisten erneut überschlagen: Nachdem die Murdoch-Vertraute Brooks festgenommen worden war, hatte Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson am Sonntagabend überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er war in die Kritik geraten, weil er sich einen Kur-Aufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen. PR-Chef des Kur-Unternehmens war der inzwischen festgenommene frühere Journalist der „News of the World“, Neil Wallis. 

Mit Spannung wartete Großbritannien auf das für Dienstag angesetzte Treffen von Untersuchungskomitees des Parlamentes, vor denen neben Murdoch selber auch dessen Sohn James sowie Brooks und Stephenson auftreten sollen. Der Vorsitzende des Komitees, John Whittingdale, kündigte an, dass vor allem die Position von News International untersucht werden solle und es nicht um einen öffentliche Vorführung des 80 Jahre alten Murdochs gehe.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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