Abkommen
Briten werden aus Steuerparadies vertrieben

Damit britische Steuerflüchtlinge ihr bislang am Fiskus vorbeigeschleustes Vermögen offenlegen, arbeiten Großbritannien und das Fürstentum Liechtenstein künftig zusammen. Das neue Abkommen beider Länder zur Behandlung von britischem Steuer-Schwarzgeld gleicht dennoch einer Amnestie.

HB ZÜRICH. Wohlhabende Briten können vom nächsten Jahr an mit milderen Bedingungen rechnen, wenn sie ihr bisher in Liechtenstein verborgenes Vermögen bis 2015 der heimischen Steuerbehörde offenlegen. Im Gegenzug werden Liechtensteiner Banken nach 2015 keine Kunden aus dem Vereinigten Königreich mehr akzeptieren, die nicht bewiesen haben, dass sie ihren Steuerpflichten nachkommen, wie die Regierung des Fürstentums am Dienstag bei der Unterzeichnung des Abkommens mitteilte.

Den Kontoinhabern wird zunächst angeboten, selbst die Finanzämter über ihre Einlagen zu informieren. Dann müssen sie zwar die Steuern der vergangenen zehn Jahre plus Zinsen nachzahlen, werden zusätzlich aber nur mit einer Strafe von zehn Prozent der Steuerlast zu Kasse gebeten. Wer nicht mit den Behörden zusammenarbeitet, riskiert die Schließung seiner Konten und den Verlust seiner Ersparnisse, wie die britische Steuerbehörde mitteilte.

Seit dem letzten Jahr sind Steueroasen international unter Druck. Auch Liechtenstein sucht Wege, um nicht auf grauen und schwarze Listen genannt zu landen. Die Banken des Fürstentums sollen im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft mitspielen können, ohne von Datendiebstählen und Skandalen wie im Fall des früheren deutschen Postchefs Klaus Zumwinkel erschüttert zu werden.

Das Steuerabkommen hat den Charakter einer Amnestie. Im Gegensatz zu einer ganzen Reihe von Abkommen, wie sie etwa auch die Schweiz abgeschlossen hat, wird auch die Behandlung von „altem“ Schwarzgeld geregelt. Und diese Regelung fällt nach Angaben aus Vaduz günstiger aus als britische Steuerhinterzieher in ihren eigenen Land erwarten können. Es gebe eine verkürzte Frist zur Bemessung der ausstehenden Steuerschuld und es besteht die Möglichkeit einer pauschalen Abgeltung. Liechtenstein hat sich in dem Abkommen aber von der Pflicht befreien lassen, britische Kunden melden zu müssen, die bis 2015 ihr Geld aus Liechtenstein abziehen. Liechtenstein werde zu keinem Zeitpunkt den britischen Behörden Kundendaten melden, betonte ein Regierungssprecher. Die Regelung können auch reiche Briten in Anspruch nehmen, die neu – etwa aus der Schweiz – zu einer Liechtensteiner Bank wechseln.

Das Abkommen könnte nach weiteren Angaben der britischen Steuerbehörde etwa 5000 reiche Bürger treffen, die bis zu drei Milliarden Pfund Sterling, umgerechnet etwa 2,5 Milliarden Euro, in Liechtenstein verborgen halten. Liechtensteiner Banken verwalten insgesamt etwa 120 Milliarden Franken. Großbritannien hatte zuvor schon Abkommen mit den bisherigen Steuerparadiesen Jersey, Isle of Man und den Britischen Jungferninseln unterzeichnet.

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