Abkommen mit Nigeria
Berlin sucht neue Energiepolitik

Wegen der Spannungen mit Russland intensiviert die Bundesregierung die Suche nach zusätzlichen Gaslieferanten für Deutschland. Dabei hat das Auswärtige Amt nun eine überraschend umfangreiche Energiepartnerschaft mit Nigeria abgeschlossen. Kern der Vereinbarung: Deutsche Firmen bauen die Stromversorgung in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas aus, im Gegenzug liefert Nigeria ab 2014 Flüssiggas nach Deutschland.



BERLIN. Nach dem Abkommen zwischen Deutschland und Nigeria reist Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Montag nach Norwegen, um auch dort Gespräche über Gaslieferungen zu führen. Nigeria besitzt die siebtgrößten Gasreserven der Welt, Norwegen ist mit einem Anteil am Gashandel von 15 Prozent der drittgrößte Gasexporteur der Welt.





Die bilaterale Vereinbarung mit Nigeria könnte Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe auslösen. Allein eine geplante Anlage zur Gasverflüssigung hat ein Volumen von zehn Milliarden Dollar. Die Vereinbarung geht zurück auf einen Besuch des nigerianischen Präsidenten Umaru Yar?Adua in Deutschland im Sommer 2007. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reiste kurz darauf nach Nigeria, um erste Gespräche über eine Energiepartnerschaft zu führen.



Eine deutsch-nigerianische Steuerungsgruppe, der sieben deutsche Unternehmen wie etwa Evonik oder Eon angehören, identifizierte später 20 Projekte, mit denen bis 2020 die Stromerzeugung um mindestens 6 500 Megawatt (MW) gesteigert werden soll. Derzeit beträgt die Erzeugungskapazität 6 000 MW. Im Gegenzug will sich etwa Eon Gaslieferungen sichern und den Bau einer Gasverflüssungsanlage Gas vorantreiben.

Seit kurzem gibt es einen intensiven internationalen Wettlauf um Afrikas Rohstoffvorkommen. Dass sich nun Deutschland die erste Energiepartnerschaft Nigerias sichern konnte, erklären deutsche Firmen und Regierungskreise zum einen mit der Zusage zur Sanierung des nigeraianischen Stromnetzes. Zum anderen will Eon den staatlichen nigerianischen Gaskonzern auch an der Verflüssungsanlage und Flüssiggasterminalprojekten in Europa beteiligen. An der Entstehung des Partnerschafsabkommens haben auch das Wirtschafts-, das Umwelt- und das Entwicklungshilfeministerium mitgewirkt. Intensivieren will die Bundesregierung auch die Zusammenarbeit mit Norwegen.

Dort tun sich insbesondere bei verflüssigtem Erdgas (LNG) neue Möglichkeiten auf: Seit einem Jahr produziert das Land auf der Insel Melkoya nahe Hammerfest Flüssiggas für den Export. Die Anlagentechnik kommt vom Linde-Konzern. Es ist die größte europäische Erdgasverflüssigungsanlage. "Die Produktion von LNG auf Melkoya eröffnet dem Gasmarkt den Zugang zu neuen Erdgasvorkommen. Wie wichtig vielfältige Bezugsquellen für Erdgas sind, zeigt aktuell der Konflikt in Georgien. Zudem sorgt Lieferantenvielfalt für mehr Wettbewerb. Das nutzt dem Verbraucher", sagte Glos.

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