Abkommen über strategische Waffen
USA und Russland reden wieder über Abrüstung

Nur noch rund sechs Monate haben Washington und Moskau Zeit, um einen der wichtigsten Abrüstungsverträge zu retten. Experten suchen nach einem Nachfolgevertrag für das Abkommen über strategische Waffen. Während die USA beim Thema Abrüstung auf den vollständigen Abbau von Atomwaffen setzen, gibt es für Russland deutliche Grenzen.

WASHINGTON/MOSKAU. Sollte bis zum 5. Dezember keine Einigung erzielt werden, dann droht dem Start-Abkommen über strategische Waffen das Aus. Die amerikanischen und russischen Unterhändler, die heute in Moskau zusammenkommen, stehen deshalb unter enormem Zeitdruck - vorausgesetzt, beide Seiten wollen tatsächlich eine Fortsetzung des Vertrags aus dem Jahr 1991.

Zwar gaben sich die USA und Russland zuletzt rhetorisch ausgesprochen konziliant, wenn es um Abrüstung ging. Doch gibt es in der Sache mindestens einen ganz grundsätzlichen Unterschied: Für die US-Regierung unter Barack Obama ist der - am besten vollständige - Abbau der Atomwaffen ein großes ideelles wie politisches Ziel. Für die russische Führung hingegen gibt es klare Grenzen. Die USA verfügen über ein gut gefülltes Arsenal konventioneller Waffen, das dem russischen spätestens seit dem Ende der Sowjetunion deutlich überlegen ist. Diese Schwäche hat Moskau seither mit seiner höheren nuklearen Schlagkraft auszugleichen versucht. Ein weiterer Abbau der Atomwaffen würde diese Linie jedoch durchkreuzen.

"Russland treibt schlichtweg die Sorge um, dass eine atomwaffenfreie Welt die Dominanz der USA bei konventionellen Waffen festschreibt", sagt Andrew Kutchins, Direktor beim Thinktank CSIS in Washington. Zwar ist eine Welt ohne Atomwaffen noch lange nicht absehbar. Doch Obamas Vorschläge für einen neuen Start-Vertrag haben bereits dieses Ziel vor Augen. So sollen beide Seiten die Zahl ihrer Atomsprengköpfe auf 1 000 bis 1 500 reduzieren, was deutlich unterhalb des Limits läge, das 2002 unter George W. Bush vereinbart wurde. Damals kam man überein, bis 2012 die Zahl der Sprengköpfe auf 2 200 abzubauen. "Wenn das alles weiter in diese Richtung läuft, dann würde das die Abschreckungsmöglichkeiten Russlands reduzieren und erodieren - und das kann Moskau nicht akzeptieren."

Zunächst geht es bei den Verhandlungen aber um eher technische Fragen. So gibt es Differenzen darüber, wie die Sprengköpfe gezählt werden. Werden etwa nur die bereits auf Raketen montierten Sprengköpfe berücksichtigt oder auch jene, die in Lagern auf Vorrat gehalten werden. Zudem ist strittig, ob auch die Transportfahrzeuge einbezogen werden sollen, die die Sprengköpfe zu den Raketensilos befördern. Moskau fordert dies auch, weil es verhindern will, dass Washington Atomraketen stattdessen mit konventionellen Aufsätzen bestückt. Rose Gottemoeller, Staatssekretärin im US-Außenministerium, hat an diesem Punkt Verhandlungsbereitschaft signalisiert, will aber die eingelagerten Sprengköpfe beim Zählen nicht in die Rechnung mit einbeziehen.

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