Ablehnung von Zugeständnissen an die Hamas
Nahost-Gipfel stärkt Abbas

Gleichwohl Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Kontrolle über den Gazastreifen an die radikal-islamische Hamas verloren hat, ist er politisch gestärkt. Den Menschen in der Küstzenregion nutzt dies allerdings wenig – Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe.

HB SCHARM EL SCHEICH. Bei einem israelisch-arabischen Vierer-Gipfel im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich stellten sich der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert, Jordaniens König Abdullah II. und der ägyptische Präsident Husni Mubarak demonstrativ hinter Abbas. Olmert kündigte Montagabend die Freilassung von 250 zu Abbas Fatah-Organisation gehörenden Palästinensern aus israelischen Gefängnissen an. In Frage kämen aber nur Häftlinge, „an deren Händen kein Blut klebt“. Konkrete Zusagen Olmerts im Hinblick auf Erleichterungen für das von Abbas kontrollierte Westjordanland bleiben jedoch aus.

Einig waren sich die Gipfelteilnehmer in ihrer Ablehnung jeglicher Zugeständnisse an die Hamas. Olmert sprach sich auf einer gemeinsamen Pressekonferenz erneut für eine Zwei-Staaten-Lösung zur Überwindung des israelisch-palästinensischen Konfliktes aus. „Wir wollen diese ehrlich, ernsthaft und mit Bestimmtheit erreichen“, sagte er. Olmerts Kabinett hatte bereits am Vorabend beschlossen, Steuergelder für die Palästinenser, die nach dem Wahlsieg der Hamas vor eineinhalb Jahren eingefroren worden waren, teilweise wieder freizugeben.

Konkrete Zusagen Olmerts zur Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses mit Abbas gab es bei dem Gipfeltreffen aber offenbar nicht. In einem Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel teilte Olmert jedoch mit, dass er die Treffen im ursprünglich geplanten Intervall von zwei Wochen wieder aufnehmen möchte.

Ein Hamas-Sprecher wies am Abend die Ankündigung Olmerts zur Freilassung palästinensischer Häftlinge als „politisches Manöver“ zurück. Bei den in Frage kommenden Häftlingen handele es sich um Fatah-Mitglieder, die ohnehin nur zu kurzen Strafen verurteilt worden seien. „Dagegen hält die Hamas an ihrer Forderung nach Freilassung von palästinensischen Gefangenen aller Fraktionen fest; vor allem solcher, die schon lange Jahre in Gefangenschaft sind sowie Kinder, Frauen und Kranke“, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri in Gaza.

Fast zeitgleich mit dem Beginn des Gipfels war im Internet ein erstes Lebenszeichen des israelischen Soldaten Gilad Schalit aufgetaucht, den vor genau einem Jahr militante Palästinenser in den Gazastreifen verschleppt hatten. Auf einer Seite des militärischen Arms der Hamas-Bewegung war eine Mitteilung mit der Stimme Schalits zu hören, der die israelische Regierung dazu aufrief, die Bedingungen seiner Entführer zu erfüllen. „Ich bin seit einem Jahr im Gefängnis, und meine Gesundheit verschlechtert sich zusehends“, sagte der entführte Soldat. Teil dieser Bedingungen sei eine substanzielle Freilassung von Palästinensern aus israelischen Gefängnissen.

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