Ablenkung von eigenen Problemen Frankreichs Sozialisten schießen sich auf Merkel ein

Merkel ist egoistisch und stur: In einem außerordentlich aggressiven Tonfall greifen Frankreichs Sozialisten die Kanzlerin in einer Resolution an. Hinter den Vorwürfen könnten sich parteiinterne Intrigen verstecken.
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Frankreichs Sozialisten, die Partei, der auch Präsident Hollande angehört, werfen Merkel vor, in Europa nur deutsche Interessen durchsetzen zu wollen. Quelle: dpa

Frankreichs Sozialisten, die Partei, der auch Präsident Hollande angehört, werfen Merkel vor, in Europa nur deutsche Interessen durchsetzen zu wollen.

(Foto: dpa)

Die französischen Sozialisten gehen in die Offensive. In diesem Fall nicht gegen Arbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche, sondern gegen die deutsche Bundesregierung. Im Entwurf für eine Resolution, die im Juni auf einem Kongress zu Europa angenommen werden soll, kritisieren sie heftig die, so wörtlich, „egoistische Sturheit" der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin, so der Vorwurf, kümmere sich nicht um das Schicksal Europas, sondern lediglich um die deutschen Sparguthaben und um die deutschen Überschüsse im Außenhandel. Sie stehe für eine Politik, die den Freihandel und die Austerität zum Maß aller Dinge mache.

Sollte diese Entschließung tatsächlich in dieser Form angenommen werden, markierte sie einen neuen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Regierung. Denn schließlich sind die französischen Sozialisten die bei weitem größte Regierungspartei der rot-grünen Koalition und zudem auch noch die Formation des französischen Staatspräsidenten Francois Hollande. In der Parteizentrale der Sozialisten hieß es allerdings, der Text werde noch überarbeitet. „Wir haben kein Problem mit Deutschland, sondern ein Problem mit der Austerität,“ sagte ein Sprecher.

Es ist kaum denkbar, dass der blasse Parteivorsitzende Harlem Desir und sein Vize Jean-Christophe Cambadélis sich an ein so brisantes Thema wie die Europapolitik und die deutsch-französischen Beziehungen heranwagen, ohne vorher Kontakt zum Elysee-Palast oder zum Amt des Premiers Jean-Marc Ayrault aufgenommen zu haben. Dort allerdings sagte man dem Handelsblatt, es handele sich um eine Initiative der Partei, die man nicht kommentieren werde.

Es ist sogar möglich, dass die inhaltlich schräge und in der Wortwahl unnötig aggressive Resolution Teil der laufenden Versuche innerhalb der Sozialisten ist, Premier Ayrault zu destabilisieren. Er ist der Linken zu reformorientiert, zu deutschfreundlich. Seit Wochen bedrängen sie Hollande, den Premier durch einen anderen Politiker zu ersetzen, der die abgedroschenen linken Phrasen und Ideen bedient.

Hollande will weder Deutschlands Feind noch Freund sein
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40 Kommentare zu "Ablenkung von eigenen Problemen: Frankreichs Sozialisten schießen sich auf Merkel ein"

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  • Sozialisten können nur überleben wenn sie mit viel Schuldenaufnahme leben. Daher sind die Angriffe aus Frankreich nicht so hoch zu bewerten,schliesslich gibt es noch andere Meinungen. Das sich Sozialisten und Grüne mit Frankreichs Sozialisten verbünden ist doch klar, ein späteres Islamisches Europa braucht nur Moscheen,Ziegen,Schafe und
    keine Edelklamotten. Schliesslich gibt es schon 30 Millionen Muslime in Europa, dass ist eine beachtliche Zahl. Allerdings müssen die Homosexuellen aus der Politik dann aus Europa flüchten, für sie gibt es kein sicherer Platz auch wenn sie für die Islamische Republik gekämpft haben.

  • Liebe 16 Millionen Westrentner: Wollt Ihr wieder Eure eigenen Metzger wählen, die die Brutto-Rentenerhöhung von 0,25 % errechnet haben? Wählt doch einfach mal die AfD für einen Neuanfang in unserem Land und für eine Begrenzung des Euro- und EU-Irrsinns. Es kann nur besser werden, nur nicht mit den Altparteien.

  • @neutral_betrachtet

    Schöner Stimmungsbericht.

    "Somit ist die Haltung "die spinnen die Deutschen, dass sie sich ihre Politik antun, wenn es anders auch geht"."

    Da sollte man mit den Franzosen wirklich ins Gespräch kommen, denn von Lebensart verstehen sie sicher etwas mehr als wir tendenziell angespannten Deutschen. Da sollte man auch bereit sein von Ihnen zu lernen. Schließlich leben wir ja nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu leben. Allerdings ist die Welt immer noch ein Haifischbecken und wenn nicht heute wir Deutschen kommen und Druck machen, werden es morgen die Chinesen sein.

  • "Sie sollten aber nicht den Fehler der FDP wiederholen, diese Form der "römisch dekadenten" Lebensweise über leistungslose oder in keinem realistischen Verhältnis zur Leistung stehende Einkommen bei der Geldelite zu übersehen, die ebenso widerlich sind. "Kapitalisten" könne das nämlich auch sehr gut."
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    Die habe ich jetzt nicht auf der Rechnung. Gewöhnlich beziehe ich mich auf normale Arbeitnehmer oder Unternehmer, die ihren Betrieb mit Fleiß und viel persönlichem Einsatz führen, wobei die Frage ist, wo man die Grenzen zieht. Bei den stark umstrittenen Multimillionen für Winterkorn bin ich z.B. der Meinung, daß er jeden Cent verdient hat, weil er VW wirklich vorangebracht und echten Mehrwert geschaffen hat, und die Millionen in einem gesunden Verhältnis zum gesteigerten Umsatz/Gewinn stehen. Nicht vergessen darf man, daß Manager dieses Kalibers über 100 Stunden die Woche arbeiten und eine gewaltige Verantwortung tragen, weil hunderttausende von Arbeitsplätzen dran hängen (bei VW sind's 550.000 weltweit, ohne Zulieferer).

    Bei Hedgefonts-Managern resp. ganz allgemein Finanzzockern, die nur Geld durch die Gegend schieben und Aktivitäten entfalten, die man schon als kriminell einstufen kann, sehe ich das durchaus anders.

  • "Lieber sich aushalten und andere arbeiten lassen. Widerlich!"

    Stimme ihnen zu. Sie sollten aber nicht den Fehler der FDP wiederholen, diese Form der "römisch dekadenten" Lebensweise über leistungslose oder in keinem realistischen Verhältnis zur Leistung stehende Einkommen bei der Geldelite zu übersehen, die ebenso widerlich sind. "Kapitalisten" könne das nämlich auch sehr gut.

  • Interessanter Artikel! Danke!

    "Es folgt die rhetorische Frage, wie weit die Schuldenkrise in Europa noch gehen solle, "bis die konservative Kanzlerin akzeptiert, über die Vergemeinschaftung eines Teils der Schulden der Mitgliedstaaten nachzudenken"."
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    Darum geht es: Frankreich möchte nur zu gerne seine gierigen, klebrigen Finger tief in die Taschen des deutschen Steuerzahlers stecken!
    Nur soll sich Hollande mal nicht täuschen. Es könnte sein, daß er es ab Herbst *auch* mit der AfD zu tun bekommt, und dann weht den Nassauern des Club Med noch ein ganz anderer Wind entgegen.
    Anstatt gegen Deutschland zu wettern, sollte er genau hinsehen (auch wenn bei uns nicht alles Gold ist, was glänzt, gar keine Frage), in die Hände spucken und anpacken! Aber das wäre von Sozialisten/Kommunisten zuviel verlangt. Lieber sich aushalten und andere arbeiten lassen. Widerlich!
    Nur wenn die GrünSozialisten bei uns drankommen sollten, dann haben wir ebenfalls ein gewaltiges Problem weit über das aktuelle hinaus, bei dem uns noch hören und sehen vergehen wird, denn dann kommt die Schuldenvergemeinschaftung (will sagen: Deutschland zahlt alternativlos alles) garantiert.

  • "Die französischen Sozialisten gehen in die Offensive. In diesem Fall nicht gegen Arbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche, sondern gegen die deutsche Bundesregierung."

    Für "La Grande Nation" ist Merkel Staatsfeind No.1.
    Und "Nazi"Deutschland ist zu erfolgreich. Das darf nicht sein!
    Frankreichs Wirtschaft ist schwach, Hollande ist eine "lame duck", und Frankreich ist der "kranke Mann Europas".
    Aber jetzt haben sie - gemeinsam mit dem restlichen ClubMed - ein gemeinsames Feindbild gefunden! DEUTSCHLAND!

  • Frankreich vs. Deutschland – "Hollande hofft auf Sturz von Merkel"

    http://www.format.at/articles/1317/931/357403/frankreich-deutschland-hollande-sturz-merkel

  • Merkel und Hollande-Vorgänger Sarkozy hätten aus einer kleinen Krise in Griechenland ein riesiges europäisches Desaster gemacht, so das Papier. Merkel agiere mit einer „egoistischen Unnachgiebigkeit“. Sie denke an nichts anderes als die Ersparnisse der deutschen Sparer, die Handelsbilanz in Berlin und ihre Zukunft nach den Wahlen. ...

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/26/hollande-merkel-soll-franzoesische-spareinlagen-garantieren/

  • Das stimmt schon nur lehrt die menschliche Erfahrung, dass es einem am Boden liegenden, der sein Selbstvertrauen verloren hat, nicht hilft, wenn man auf ihn eintritt und die demoralisiernde "Schuldfrage" zu sehr in den Vordergrund stellt. Natürlich hilft es ebensowenig ihn in seiner erlernten Hilflosigkeit zu bestärken. Einem Freund würde man Mut machen, ihm wo es geht helfen ohne sich selbst zu überfordern und ihm ehrlich aber konstruktiv die Meinung sagen. So sollten wir es auch in Europa halten. Und wem die Härte der wirtschaftlichen 1. Liga zu hart ist, sollte ohne Häme in einer 2. Liga aufgefangen werden, jeweils mit Auf- und Abstiegsmöglichkeit. Das ist besser als der Weg der "Rettungseuropäer" permanent Schiedsrichter Draghi zu bestechen alle Spiele unentschieden ausgehen zu lassen und so alle in die 2. Liga zu zwingen.

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