Abrechnung
Attacken auf Brown machen Blair-Memoiren zur Sensation

Mit einer vernichtenden Attacke auf seinen alten Weggefährten und Rivalen Gordon Brown und die gesamte Labourlinke hat der frühere britische Premier Tony Blair in den laufenden Labourführungswahlkampf eingegriffen und die Partei vor einem Linksruck gewarnt.
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LONDON. "Wenn wir das tun, wird die Niederlage beim nächsten Mal noch größer", warnt Blair in einem explosiven "Postscript" seines heute erschienenen Memoirenbands "A Journey".

Der am Mittwoch in den Buchhandlungen ausgelieferte, mit Spannung erwartete Memoirenband hat mit seinen frontalen Attacken auf Blairs Amtsnachfolger Gordon Brown eine Sensation ausgelöst. Brown, urteilt Blair, habe Labours möglichen vierten Wahlsieg im Mai verspielt, weil er von "New Labours" Politik abgerückt sei. Mit seiner Kombination von Defizit finanzierten Konjunkturpaketen, starker Regulierung, der Verteufelung der Banken habe Brown die falschen Signale gegeben.

Statt der Reform der Regierung seien die Brown Jahre eine "Rehabilitierung des Regierens" geworden. Das habe das Signal gegeben, "der Staat ist wieder da". Aber die Öffentlichkeit verstehe den Unterschied zwischen einer zur Stabilisierung der Wirtschaft notwendigen Staatsintervention und einem Staat, der wieder zum Hauptakteur in der Wirtschaft werde.

Unter anderem kritisiert Blair, dass unter Brown statt der Mehrwertsteuer die Steuern für Hochverdiener erhöht wurden und Großbritanniens Steuersystem weniger wettbewerbsfähig wurde. Ed Balls, Brown Gefährte und Mitbewerber für das Labourführungsamt, nennt er einen "Labour Intellektuellen, der denkt, es sei egoistisch, wenn man über seine Steuer nachdenkt". Mit solchen Bemerkungen stellt sich Blair nicht nur klar hinter David Miliband als neuen Labourführer und gegen dessen Bruder Ed Miliband, den zweiten Favoriten, der Labour ein klareres Linksprofil geben will - de facto unterstützt Blair damit die Reformansätze der von David Cameron geführten konservativ-liberalen Koalition.

Das Buch "A Journey", das zeitgleich auch auf Deutsch erscheint, enthüllt mit verheerenden Kritik und Sarkasmus das ganze Ausmaß der Blair-Brown Dauerfehde, die Labours 13-jährige Regierungszeit prägte und 2007 Blairs eigenem Rücktritt erzwang. Browns Kapazitäten seien überschätzt worden, schreibt Blair. Er selbst habe gewusst, dass Brown ein katastrophaler Premier wird", weil er "Null emotionale Intelligenz" habe.

Die Streitigkeiten mit Brown nach dem Wahlsieg 2005 hätten ihn sogar zum Trinken "an der Grenze" getrieben. "Ein Whisky oder Gin vor dem Abendessen, dann ein oder zwei Glas Wein, sogar eine halbe Flasche". Er habe "die Stütze des Trinkens" gebraucht, schreibt Blair.

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