Abrüstung
Nato wartet auf ein Machtwort von Obama

US-Präsident Obama wird in Straßburg wie ein Popstar gefeiert. Doch beim Nato-Gipfel am Abend in Baden-Baden muss er beweisen, ob er auch führen kann. In Straßburg erklärte Obama, er strebe eine Welt ohne Atomwaffen an. Er werde dazu am Wochenende beim Gipfeltreffen der EU und der USA in Prag einen Fahrplan vorlegen.

STRASSBURG. Er wird wie ein Popstar empfangen. Als US-Präsident Barack Obama um 14.15 Uhr, Stunden vor Beginn des Nato-Gipfels, in der Straßburger Stadthalle eintrifft, sind die 3000 geladenen Jugendlichen aus Deutschland und Frankreich außer Rand und Bank. Einige warten schon seit Stunden auf ihr Idol. Obama kommt in Begleitung seiner Frau Michelle, gibt ihr einen Kuss auf offener Bühne - schon brandet Beifall auf. Es dauert einige Minuten, bevor endlich Ruhe einkehrt.

Dann hält der Präsident eine Rede, die es in sich hat. Er bekennt sich zur europäischen Einigung, für die Straßburg als Symbole stehe. Er fordert eine Welt ohne Atomwaffen, ohne Finanzspekulation, ohne Folter wie im US-Lager Guantanamo. Wieder gibt es lauten Beifall. Obama hat die deutsch-französische Jugend im Sturm erobert. Nun kann er sich langsam seinem eigentlichen Thema zuwenden - dem Nato-Gipfel.

Die Allianz, die ihren 60. Geburtstag feiert, sei das erfolgreichste Militärbündnis der Welt, beginnt der US-Präsident. "Wir haben den Kalten Krieg gewonnen, ohne dass ein einziger Schuss fiel." Doch dann fallen ernste Worte. Das Bündnis sei in den letzten Jahren auseinandergedriftet, kritisiert Obama. Die USA hätten sich über Europa lustig gemacht, viele Europäer dem Antiamerikanismus gehuldigt. "Das war nicht weise", klagt Obama.

Und dann kommt seine Botschaft: "Amerika wandelt sich, aber Europa muss sich auch wandeln." Gemeinsam müssten die Alliierten die Lasten tragen, in Afghanistan und anderswo. Die USA hätten mit ihrer neuen Afghanistan-Strategie den ersten Schritt gemacht. Nun müssten die Europäer folgen. Denn am Hindukusch seien die Terroranschläge des 11. September 2001 vorbereitet worden. "Der nächste Angriff könnte hier in Europa stattfinden", warnt Obama.

Doch die Europäer wollen keine zusätzlichen Truppen schicken. Das haben Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Gastgeber des Gipfels, schon vor Obamas Europa-Besuch klar gemacht. Sarkozy möchte einige dutzend Ausbilder anbieten, um eine afghanische Gendarmerie aufzubauen. Und Merkel hat 50 Millionen Euro für die afghanischen Streitkräfte zugesagt. Damit ist das Thema für beide erledigt.

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