Abschiedsbriefe von Chung Mon Hun
Hyundai-Manager springt vom Hochhaus

Ein im Zusammenhang mit geheimen Zahlungen an Nordkorea angeklagter Manager der südkoreanischen Hyundai Group ist am Montag aus dem zwölften Stock eines Bürogebäudes in den Tod gesprungen. Dem 54-jährigen Chung Mong Hun - ein Sohn des Hyundai-Gründers Chung Ju Yung - wird vorgeworfen, kurz vor einem historischen Gipfeltreffen der Staatschefs Nord- und Südkoreas im Jahr 2000 an geheimen Zahlungen von 500 Millionen Dollar an den kommunistischen Norden beteiligt gewesen zu sein.

Reuters SEOUL. Die als „Geld gegen Gipfel“ bezeichnete Affäre um die Zahlungen war im Februar bekannt geworden. Polizeiangaben zufolge sprang Chung nach Mitternacht von dem Hyundai-Gebäude in Seoul. Seine Leiche wurde am Montagmorgen gefunden.

Südkoreanische Medien zitierten aus Briefen, die Chung vor seinem Freitod der Nachwelt hinterlassen habe. „Ich bitte Sie alle, mir zu verzeihen, weil ich diese dumme Tat begangen habe.“ In einem anderen Brief habe er Reue geäußert und sich selbst als töricht bezeichnet. Chungs Projekte wie Touristenreisen zum nordkoreanischen Berg Kumgang gehörten zu den wichtigsten Teilen von Kims „Sonnenschein-Politik“, die eine Annäherung an den Norden bringen sollte. Den Berichten zufolge hat der Verstorbene verfügt, seine Asche solle an dem Berg verstreut werden.

Nach dem Nordkorea-Gipfel hatte Südkoreas damaliger Präsident Kim Dae Jung den Friedensnobelpreis erhalten. Der amtierende Präsident Roh Moo Hyun würdigte derweil die Rolle Chungs bei der Förderung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden koreanischen Staaten. Er werde sich bemühen, die laufenden Wirtschaftsprojekte trotz Chungs Tod fortzuführen, ließ Roh durch einen Sprecher mitteilen.

Ermittlern zufolge hatte die von Chung geführte, nicht börsennotierte Hyundai Asan mit Hilfe von Kims Beratern 500 Millionen Dollar nach Nordkorea geschleust. Vertreter von Hyundai und Regierung haben erklärt, 400 Millionen Dollar seien dafür gedacht gewesen, Exklusiv-Rechte für Tourismus- und Geschäftsprojekte in Nordkorea zu sichern. Rund 100 Millionen Dollar flossen indes nur Tage vor dem Gipfel.

Chung war Leiter der Hyundai Group - einer von fünf Konzernen, in die der ehemals größte Konzern Südkoreas nach der Asienkrise 1997/98 aufgespalten worden war. Der mit Abstand größte dieser fünf Konzerne ist die Hyundai Motor Group mit Vermögenswerten von umgerechnet rund 33 Milliarden Euro. Zur Hyundai Motor Group gehören unter anderem die börsennotierten Töchter Hyundai Motor und Kia Motors. Der deutsch-amerikanische Autobauer DaimlerChrysler ist mit zehn Prozent an Hyundai Motor beteiligt. Die Aktien der börsennotierten Hyundai-Töchter reagierten mit Kursabschlägen auf die Nachricht von Chungs Freitod.

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