Abschluss in St. Petersburg
Bush verplappert sich auf G8-Gipfel

Der G8-Gipfel in St. Petersburg ist zu Ende. Nur mit Mühe und Not haben sich die großen Industrienationen zu einer Resolution für die Nahostkrise durchgerungen. Vor den Kameras wurde Einigkeit demonstriert. Doch eine kleine Panne entlarvte, was mancher Staatschef wirklich über die Gewalteskalation denkt.

HB ST. PETERSBURG. Als sich die Führer der G8-Staaten am Montag zum Mittagessen im Konstantin-Palast in St. Petersburg einfanden, übersah US-Präsident George W. im Gespräch mit dem britischen Premier Tony Blair, dass die für ein paar Minuten zugelassenen TV-Kameraleute die Mikrofone eingeschaltet hatten. Der Witz sei doch, dass die G8 eigentlich die Syrer dazu bewegen müsste, die Hisbollah zu veranlassen, mit diesem „Scheiß“ aufzuhören, fluchte Bush an einem Butterbrötchen kauend.

Die flapsigen Worte enthüllten, wie es Bush beim G8-Gipfel wirklich zu Mute war. Zum einen zeigt es seine Unzufriedenheit mit der mühsam ausgehandelten Nahost-Resolution. Denn die nennt Syrien und den Iran, für Bush die eigentlichen Drahtzieher des Gewaltausbruchs im Nahen Osten, nicht. Zum anderen belegt es, wie distanziert Bush die Runde der Acht in St. Petersburg ansieht.

Als Bush am frühen Nachmittag unter grauem Himmel und bei Nieselregen in seiner „Air Force One“ die frühere Zarenstadt Richtung Washington verließ, wirkte er übernächtigt und müde. Der G8-Gipfel hatte für ihn unter keinem sonderlich guten Stern gestanden - und in der amerikanischen Heimat erwarten ihn knapp vier Monate vor den US-Kongresswahlen überaus kritische Stimmen aus allen politischen Lagern.

Russland lässt US-Kritik abblitzen

Auch in den USA war registriert worden, wie selbstbewusst, kühl - und dazu sogar noch witzig - der russische Präsident Wladimir Putin auf der gemeinsamen Pressekonferenz die Kritik des US-Präsidenten an der demokratischen Entwicklung in Russland hatte abblitzen lassen. Und in St. Petersburg hat Bush auch nicht die ersehnte Botschaft erhalten, dass die internationale Gemeinschaft einig und konsequent gegen den Iran - beispielsweise mit Sanktionen - vorgehen werde, falls Teheran die Nuklearrüstung fortsetzt.

Gastgeber Putin ist ebenfalls unzufrieden über den Gipfel. Die neue Rolle des Energieriesen Russland kam angesichts der Kämpfe in Nahost aus seiner Sicht zu kurz. Die russische Präsident hatte das Thema Energiesicherheit ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt, um alle Welt an Russlands neues internationales Gewicht zu erinnern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zog trotz der Querelen eine positive Bilanz des G-8-Gipfels. Das Treffen habe die wachsende Bereitschaft gezeigt, die weltpolitischen Probleme gemeinsam anzugehen, sagte Merkel. Auch in den Gesprächen der Gipfelteilnehmer mit Schwellenländern über einen freieren Welthandel sei der wachsende Wille deutlich geworden, zusammen nach Lösungen zu suchen. Der Gipfel habe sich vor allem mit seiner nach hartem Ringen erarbeiteten Nahost-Resolution handlungsfähig gezeigt. Merkel wandte sich zugleich gegen eine Erweiterung der G-8.

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