Abschlussbericht MH17
Malaysia Airlines trifft offenbar Mitschuld

Am 17. Juli vor einem Jahr stürzt die Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine ab. Jetzt haben Ermittler neue Spuren: Das Flugzeug ist demnach von einer russischen Bodenluftrakete abgeschossen worden.
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DüsseldorfKnapp ein Jahr nach dem Absturz der Malaysia Airlines Maschine MH17 ist die Schuldfrage immer noch ungeklärt. Alle 298 Menschen an Bord der Boeing 777 waren ums Leben gekommen. Jetzt hat der Fernsehsender CNN erste Informationen aus dem Abschlussbericht niederländischer Ermittler veröffentlicht.

Die Ermittler sehen noch immer prorussische Rebellen in der Verantwortung. Die Bodenluftrakete vom Typ Buk soll demnach aus einem Dorf im Osten der Ukraine abgefeuert worden sein. Dieses war zu jenem Zeitpunkt unter der Kontrolle prorussischer Rebellen. „Wir kommen stichhaltigen und überzeugenden Beweisen immer näher“, sagte Oberstaatsanwalt Fred Westerbeke in Rotterdam. Im Visier sei eine „Gruppe von Tätern“. Bisher gelten abgehörte Gespräche pro-russischer Rebellen über den Einsatz einer Buk-Rakete als wichtigste Hinweise.

Allerdings ist umstritten, ob die Rebellen tatsächlich zum fraglichen Zeitpunkt die mobile Rakete lanciert hatten. Westliche Staaten und auch die Ukraine hatten Russland für den Abschuss mitverantwortlich gemacht. Moskau und die Rebellen hatten dagegen die Ukraine als Schuldigen angewiesen. Entscheidende Antworten werden von der technischen Untersuchung erwartet. Der niederländische Sicherheitsrat will seinen Abschlussbericht im Oktober veröffentlichen.

Der Bericht kommt offenbar auch zu dem Schluss, dass Malaysia Airlines eine Mitschuld an dem Unglück trägt. Zum Zeitpunkt des Unglücks umflogen andere Fluggesellschaften den Luftraum über dem Kampfgebiet in der Ukraine. Malaysia Airlines jedoch änderte seinen Kurs nicht.

Die Opfer kommen aus zehn Ländern, 196 sind Niederländer. Den Angehörigen und seinem zutiefst schockierten Land versprach der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte: „Wir werden alles tun, um die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Wir werden jeden Stein umdrehen.“ Dieses Versprechen ist ein Jahr später nicht eingelöst. Mehr noch: Die Schuldzuweisungen beider Seiten haben den militärischen Konflikt in der Ukraine und neue Ost-West-Spannungen weiter verschärft.

Seither legen viele Seiten Dokumente vor. Telefonmitschnitte, Zeugenaussagen, Radarbilder und Satellitenfotos. Sie belegen vor allem eins: Niemand will es gewesen sein. Komplott-Theorien und Spekulationen werden zusätzlich genährt, da der niederländische Sicherheitsrat – der die Untersuchung leitet – noch immer nicht seinen Abschlussbericht veröffentlichte. Russland sieht dies als Zeichen, dass da etwas vertuscht werden soll.

Der Sicherheitsrat, der nun im Oktober seinen Bericht vorlegen will, soll vor allem Antworten geben. Experten können mit der Analyse der Trümmer, Fotos, der Aufnahmen von Satelliten, Radarbildern und der Daten der Flugschreiber sehr weit kommen.

Schwieriger sind dagegen die strafrechtlichen Ermittlungen, die ebenfalls unter Leitung der Niederlande stehen. Die Frage ist, ob die Ermittler tatsächlich alle Beweismittel erhalten. Vieles ist in Händen der Geheimdienste in Russland, den USA und der Ukraine.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Abschlussbericht MH17: Malaysia Airlines trifft offenbar Mitschuld"

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  • Beweise liegen bei den RU - USA - Ukrainischen Geheimdiensten !!

    Was will dann der Niederländische Oberstaatsanwalt dann beweisen ???????????

    Niemand wird den Beweis rausgeben, dass sich der ukrainische Kampfpilot hinter den MH -Maschiene
    versteckt hat. Und zur sicherheit die MH-Maschiene noch mit AHEAD-Munition beschossen hat.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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