Abschottung des Bankenmarktes
EU-Kommission setzt Italien unter Druck

Die Europäische Kommission hat rechtliche Schritte gegen Italien wegen Behinderungen bei der Übernahme inländischer Banken durch ausländische Kreditinstitute eingeleitet. Die EU-Behörde habe beschlossen, deswegen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Regierung in Rom anzustrengen, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag.

ROM. Damit reagiert sie auf das umstrittene Verhalten des Notenbankchefs Antonio Fazio als oberstem Bankenaufseher in einem grenzüberschreitenden Übernahmekampf um die italienische Bank Antonveneta.

Die Auseinandersetzung hatte in Italien im Sommer wochenlang die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse beherrscht und in der europäischen Finanzszene für große Irritationen gesorgt. Anlass des Streites waren zwei Versuche ausländischer Banken, italienische Institute zu übernehmen. Die niederländische Bank ABN Amro nahm die Banca Antonveneta ins Visier. Die spanische Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) versuchte eine Übernahme der Banca Nazionale del Lavoro. In beiden Fällen meldeten sich mit Unterstützung Fazios italienische Bieter, um die Übernahme durch einen Ausländer zu verhindern. Gegen ABN Amro trat Banca Popolare Italiana (BPI) an, gegen die BBVA der Versicherer Unipol. Im ersten Fall glückte die Abwehr nicht, im zweiten hatte sie Erfolg.

Die BPI, die am Übernahmekampf beteiligt war, ist inzwischen bereit, ihren Anteil an Antonveneta für rund zwei Mrd. Euro an den Wettbewerber ABN Amro zu verkaufen. Der Board der Banca Popolare Italiana werde anlässlich der Hauptversammlung Ende Januar zurücktreten, teilte die Bank am Dienstag zudem mit. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Fazio und BPI hatte für Aufsehen gesorgt. Aus Presseberichten ging hervor, dass Fazio das Management von BPI zu einem Eingreifen ermutigt hatte und Geschenke von ihm entgegennahm. BPI-Chef Gianpiero Fiorani musste daher abtreten. Fazio wurde mehrfach zum Rücktritt aufgefordert, auch von Mitgliedern der italienischen Regierung. Die eigenen Mitarbeiter streikten sogar gegen ihn. Aber der Präsident der italienischen Notenbank ist auf Lebenszeit ernannt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%