Abschuss eines Kampfjets
Türkei schaltet die Nato ein

Nach dem Abschuss eines Kampfjets durch Syrien tritt am Dienstag der Nato-Rat zusammen. Das Flugzeug wurde offenbar über neutralem Gebiet abgeschossen, war zuvor aber in das syrische eingedrungen. Washington sieht rot.
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Ankara/WashingtonDie Türkei schaltet nach dem Abschuss eines Militärjets durch Syrien die Nato ein. Seine Regierung werde die Nato-Partner wegen des Vorfalls konsultieren, sagte Außenminister Ahmed Davutoglu am Sonntag. Der Nato-Rat wird sich am Dienstag mit der Lage befassen.

Das Gremium der Botschafter aller 28 Nato-Staaten tritt zusammen, nachdem Ankara unter Berufung auf Artikel 4 des Nato-Vertrages eine Sitzung über den Zwischenfall beantragt hat. Dies teilte Nato-Sprecherin Oana Lungescu am Sonntag in Brüssel mit.

Artikel 4 des Nato Vertrages sieht vor, dass die Verbündeten beraten, wenn einer von ihnen der Auffassung ist, dass seine territoriale Integrität, politische Unabhängigkeit oder Sicherheit bedroht ist. Lungescu sagte, die Türkei werde im Kreis der Nato-Mitglieder über die Lage berichten. Schon am Montag befassen sich die EU-Außenminister mit dem Abschuss, wie ein Vertreter der spanischen Regierung erklärte. Bei diesem Treffen wollen die EU-Außenminister die Sanktionen ein weiteres mal verschärfen. Eine weitere Person sowie fünf juristische Personen sollten gelistet werden, hieß es am Wochenende aus europäischen Diplomatenkreisen. Damit werden die Konten in Europa gesperrt sowie Einreiseverbote verhängt. An dem Treffen, zu dem auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) nach Luxemburg reist, wird auch über Ägypten, den Iran sowie über die Menschenrechtslage beraten.

Das Wrack des Kampfjets ist laut einem TV-Bericht geortet worden. Es befinde sich in einer Tiefe von rund 1300 Metern auf dem Meeresboden, berichtete der türkische Fernsehsender CNN-Türk am Sonntag, ohne genauere Angaben zum Fundort zu machen. Das Verteidigungsministerium in Ankara bestätigte den Bericht zunächst nicht.

Außenminister Davutoglu warf Syrien am Sonntagmorgen vor, das türkische Flugzeug in internationalem Luftraum abgeschossen zu haben. „Unseren Erkenntnissen zufolge wurde unser Flugzeug in internationalem Luftraum abgeschossen, 13 Seemeilen vor der syrischen Küste“, sagte der türkische Außenminister dem Fernsehsender TRT.Zudem habe es keine Warnung gegeben.

Die F-4 „Phantom“ habe sich auf einem Ausbildungsflug befunden und keinen Geheimauftrag im Zusammenhang mit den bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Syrien gehabt. Die Maschine sei zudem unbewaffnet gewesen.

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  • Warum wurde mein Beitrag von HB editiert? Rassistische Äußerungen über die Türken und andere Volksgruppen sind aber zulässig und das nennt die HB-Redaktion Meinungsfreiheit. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Mich verwundert es ehrlich gesagt nicht wirklich, da ich als Türke die Diskrimminierung in Deutschland gewöhnt bin. Jetzt verstehe ich auch warum es so viele Beleidigungen und Polemik, ohne Gegenwehr, in diesen Foren gibt. Die Gehirnwäsche durch deutsche Medien ist im vollen Gang - Toll!

  • Da will irgendjemand, wohl die USA, GB und Frankreich, einen Krieg. Die Türkei bietet sich da als nützlicher Idiot an. Frankreich hat ja schon seit Hollande an der Macht ist, auf eine Intervention gedrungen. Das Motiv für den liegt auf der Hand. Der braucht Geld und spekuliert aus saudische Petrodollars.

    Nur eine harte Haltung Russlands und Chinas kann jetzt eine größeren Konflikt verhindern, es sei den die NATO will einen 3. Weltkrieg.

  • Interessant sind vor allem die Reaktionen. Erst bestätigte die Türkei selbst, daß sich das Flugzeug im syrischen Hoheitsraum befand. Und plötzlich, so als ob es Anweisungen gegeben hatte, soll sich das Flugzeug außerhalb des syrischen Hoheitsgebietes befunden haben. Wer sich die Flugdaten ansieht, der wird feststellen, daß der Anfangskurs direkt ins syrische Landesinnere ging.
    http://www.tagesspiegel.de/images/jet2_dpa/6792440/2.jpg?format=formatOriginal

    Und wenn ich die anderen Aussagen, daß das Flugzeug sich mit hoher Geschwindigkeit im Tiefflug bewegte und die Tatsache, daß die Türkei die syrische Opposition aktiv unterstützt, berücksichtige, dann kann man sehr gut verstehen, daß Syrien sich bedroht fühlte. Außerdem war bei einer Geschwindigkeit von bis zu Mach 2, die die Phantom erreichen kann, kaum Zeit, für eine wohlüberlegte Reaktion.
    Ich gehe von einer gezielten Provokation von Seiten der Türkei aus.

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