Abstecher
Obama überraschend in Bagdad gelandet

Zum Abschluss seiner ersten größeren Auslandsreise als US-Präsident hat Barack Obama dem Irak eine Stippvisite abgestattet. Nach einer Woche in Europa mit drei Gipfeln war die Präsidentenmaschine Air Force One am Dienstag statt direkt nach Washington zu fliegen, überraschend in Bagdad gelandet.

HB ISTANBUL/BAGDAD. Dort besuchte er Soldaten im US-Militärstützpunkt Camp Victory nahe dem Flughafen und sprach unter anderem mit Ministerpräsident Nuri Al- Maliki und Staatspräsident Dschalal Talabani. Im Anschluss lobte er die „enormen Fortschritte im Irak“. Die Zahl der Gewalttaten seien weniger geworden, in der Politik manche Fortschritte erzielt worden. „Aber es gibt noch viel Arbeit“, betonte er.

Die nächsten 18 Monate könnten kritisch werden, warnte er vor US- Soldaten im Al-Fao-Palast, der zum Camp Victory gehört. Obama war dort von über 1000 US-Soldaten begeistert begrüßt worden. Da die US- Kampftruppen 2010 den Irak verlassen sollten, müssten die Iraker zunehmend die Verantwortung für die Sicherheit im Lande übernehmen. Die irakische Führung müssen sich den zahlreichen Aufgaben im Lande stellen. „Wir können das nicht für sie machen.“ Die USA könnten bei der Stabilisierung ihres Landes nur ein „getreuer“ und „verlässlicher Partner“ sein, sagte der US-Präsident.

Obama würdigte den „aufopferungsvollen Dienst“ der US-Soldaten im Irak. „Michelle und ich sind mit euch jeden Tag“, versicherte er. Er lobte die militärischen Fähigkeiten der US-Truppen sowie ihre Professionalität und Konzentration auf ihren Auftrag, trotz mancher kontroversen Diskussionen zu Hause in den USA.

Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete, Obama habe auf dem Militärstützpunkt in der Nähe des Flughafens auch Talabani sowie dessen beiden Stellvertreter und Vize-Ministerpräsident Barham Saleh getroffen. Talabani hatte zuvor den Präsidenten des kurdischen Autonomiegebietes, Massud Barsani, empfangen. Dies gab Anlass zu Spekulationen über mögliche Vorbereitungen für eine Konferenz im kurdischen Nordirak im Mai. Während dieser Konferenz sollen die Kämpfer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK aus der Türkei, die im Irak Militärlager unterhalten, aufgefordert werden, ihre Waffen niederzulegen.

Die irakischen Regierungsvertreter hatten zunächst erwartet, dass Obama mit einem Hubschrauber in die Grüne Zone fliegen würde. Doch in Bagdad konnten Hubschrauber wegen eines Staubsturms nicht starten. Gründe für den Abstecher nach Bagdad seien die Nähe zum Irak, die Absicht, mit der irakischen Führung über die politische Zukunft zu sprechen, und der Wunsch des Präsidenten, den Truppen seine Wertschätzung zu demonstrieren, sagte sein Sprecher Robert Gibbs.

Zuvor hatte sich Obama an seinem zweiten Besuchstag in der Türkei erneut für ein besseres Verhältnis des Westens zur islamischen Welt eingesetzt. Er wolle „ein neues Kapitel“ in den Beziehungen aufschlagen, sagte er vor türkischen Studenten in Istanbul. Die Welt werde in den USA seine „Partner und Freunde“ finden.

Obamas einwöchige Europareise hat nach Einschätzung des Weißen Hauses wichtige politische Fortschritte gebracht und das Ansehen der USA nachhaltig verbessert. „Es war ein großer Erfolg (...) und eine enorm produktive Reise“, sagte Obama-Chefberater David Axelrod.

Am Dienstagnachmittag war der US-Präsident überraschend von Istanbul nach Bagdad gereist. Der Irakbesuch war aus Sicherheitsgründen vorher nicht bekanntgegeben worden. Nur wenige Stunden vor Obamas Ankunft war in einem schiitischen Viertel der Hauptstadt Bagdad eine Bombe explodiert. Dabei kamen mindestens neun Menschen ums Leben. Am Montag waren bei Anschlägen 37 Menschen getötet worden. Die „Air Force One“ landete den Angaben des Weißen Hauses zufolge um 16:42 Ortszeit (15:42 MESZ) auf dem Flughafen von Bagdad. Am Abend startete die Präsidentenmaschine nach offiziellen Angaben in Richtung Washington.

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