Absturz der G8
Der Club, der die Welt regiert(e)

Früher erörterten die westlichen Industrieländer die großen Probleme der Welt in ganz kleinem Kreis. Doch ihre Macht bröckelt. Die G8-Gipfel verkommen zu einer Alibi-Veranstaltung. Längst gehört die Zukunft anderen.
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DüsseldorfDie Idee eines Treffens der wichtigsten Industrieländer entwickelten der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt und sein französischer Amtskollege Giscard D'Estaing am Wohnzimmertisch. Es sollte ein Treffen in kleinem Kreise sein - ohne "innovationsfeindliche" Bürokraten, wie Schmidt rückblickend sagte. Sechs Länder vereinten damals die Hälfte der Weltwirtschaft: Die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Zusammen trafen sich ihre Regierungschefs zum ersten G6-Gipfel 1975 im französischen Rambouillet. Der exklusive Club diskutierte die Folgen der Ölkrise und des Zusammenbruchs des Systems fester Wechselkurse von Bretton-Woods.

Inzwischen ist der Club größer geworden, Kanada und Russland sind dazu gekommen. Aus den einstigen Karmingesprächen sind riesige Gesprächsrunden geworden. "Es ist ganz ungewöhnlich, dass bei einem solchen Medienereignis konkrete Ergebnisse erzielt werden. Das würde mich sehr wundern," sagte Helmut Schmidt vor dem G8-Gipfel 2008 in Heiligendamm. "Jeder reist an mit Hunderten von Beratern, Bürokraten, Aktentaschenträgern".

Doch obwohl die G8-Gipfel immer größer geworden sind, nimmt ihre Bedeutung ab. Mitten in der Finanzkrise ist dem Club der alten Industrieländer ein mächtiger Konkurrent erwachsen. Die Gründung der G20-Gruppe könnte die weitreichendste institutionelle Folge der weltweiten Finanzkrise sein, schrieb die britische Wirtschaftszeitung Economist. Zur Gruppe der G-20 gehören nicht nur die G8-Staaten sondern auch Schwellenländer wie zum Beispiel Brasilien, Russland, Indien und China.

Das Problem des G8-Clubs ist die Relevanz: Er bildet die wirtschaftlichen Realitäten längst nicht mehr ab. China ist zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt geworden. Auch Brasilien (6.), Russland (9.) und Indien (11.) haben aufgeschlossen.

Die G-8 Länder repräsentieren nach Kaufkraft grade mal 40 Prozent der Weltwirtschaft. Im Jahr 2030 werden es nur noch 30 Prozent sein. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds wird China die USA 2017 als größte Wirtschaftsmacht der Welt ablösen. Damit ist klar: Der G8-Club kann die Probleme der Welt nicht mehr lösen. Dafür ist er viel zu klein.

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  • Viele Politiker haben es immer noch nicht begriffen: der Zug fährt gegen die Wand, Deutschland wird von den anderen heruntergezogen und wird selbst ertrinken, wenn es auf der Euroschiene so weitermacht. Deutschland muss sich also erst einmal freischwimmen, und das heisst, eine eigene Deutsche Währung.

    Das Gegenargument der Aufwertung muss man auch ein wenig differenzierter betrachten:

    1. Deutschland hatte auch zu DM Zeiten Handelsüberschüsse, nicht -defizite.

    2. Eine DM Aufwertung hatten wir ständig seit der DM Einführung und hat Deutschlands wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufstieg nach dem Krieg doch nicht aufgehalten, sondern ganz in Gegenteil das Deutsche und in der ganzen Welt bewunderte Wirtschaftswunder erst hervorgebracht!

    3. 40% der Exportprodukte kommen selbst aus Importprodukten und werden also billiger durch eine Aufwertung der DM.

    4. Führt eine Aufwertung der DM zu mehr Kaufkraft der Deutschen Bevolkerung, das heisst, der deutsche Arbeitnehmer kriegt wieder etwas für sein Geld statt ständig zu verlieren, wie unter dem Euro! Das ist die sogenannte Sozialdividende. Deshalb ist ja auch der Lebensstandart in starken Wahrungsländern wie der Schweiz und in der Bundesrepublik zu DM Zeiten so hoch gewesen!

    5. Eine stärkere DM führt zu mehr Innenkaufkraft und damit mehr Importen, was anderen Ländern zugute kommt und deren Wirtschaftleistung fördert und hilft, von Transferleistungen unabhängig zu werden.

    6. Die Abwertungen, zB der griechischen Drachme und der italienischen Lira, führen zu deren Wettbewerbsstärkung und damit der Möglichkeit, nicht auf Pump anderer, sondern eigenständig zu wachsen.

    7. Summa summarum werden Europa und die Welt nicht stärker, wenn die letzten noch funktionierenden Wirtschaften auch noch kurzsichtig kaputtgemacht werden.

    Deswegen brauchen wir in Deutschland und in Europa unsere eigenen Länderwährungen, um dadurch wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen und unsere politische Freiheit zu retten.

  • Hallo,
    bezügl. des Bankencrash wurde ein Staatsmann in einen von vier Anklagepunkten für schuldig gesprochen, wenn auch ohne praktische Auswirkung.
    Aktuell wird von den Bankstern Geld zurück gefordert und das Vermögen eingefroren: http://blog.snaefell.de.
    Leider spielt sich das in Island ab - nicht in Deutschland, nicht in der EU und auch nicht bei den G8 Staaten.
    Schlussfolgerung...!

  • "Damit ist klar: Der G8-Club kann die Probleme der Welt nicht mehr lösen. Dafür ist er viel zu klein."
    Das machen ja auch längst andere "viel erfolgreicher": die Bilderberger und geheime Bündnisse, wie "Skull&Bones, das 1832 an der Yale-University gegründet wurde.

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