Absturz des Fluges MH17
Putin warnt vor „Missbrauch“ der Katastrophe

Während Rebellen die abgestürzte Boeing in der Ostukraine belagern, versuchen Luftfahrt-Experten, zum Wrack zu gelangen. Kremlchef Putin sichert seine „volle Kooperation“ zu – doch der Westen erhöht abermals den Druck.
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DüsseldorfKremlchef Wladimir Putin hat eine Verantwortung Russlands für den Absturz des malaysischen Flugzeugs in der Ukraine zurückgewiesen und vor einem „Missbrauch“ der Katastrophe gewarnt. „Hätte man die Kampfhandlungen im Osten der Ukraine nicht am 28. Juni wiederaufgenommen, wäre diese Tragödie sicher nicht geschehen“, sagte er in einer am Montag in Moskau veröffentlichten Videobotschaft.

Der Kreml habe alle Konfliktseiten mehrfach aufgerufen, die Gefechte einzustellen und sich an den Verhandlungstisch zu setzen. „Russland unternimmt alles, damit der Konflikt zu Gesprächen mit friedlichen und ausschließlich diplomatischen Mitteln übergeht“, sagte Putin. Niemand dürfe die Tragödie für eigennützige politische Ziele ausnutzen. „Solche Ereignisse sollten Menschen nicht trennen, sondern zusammenführen“.

Nach massiven Klagen über Behinderungen am Absturzort der malaysischen Boeing reisen derweil Luftfahrt-Experten in das von Rebellen kontrollierte Gebiet bei Donezk. Die Niederlande werden die internationale Identifizierung der Opfer in der Ostukraine koordinieren, gab der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Sonntagabend in Den Haag bekannt.

Im ostukrainischen Charkow sollen die Niederlande ein Koordinationszentrum für die Identifizierung der 298 Opfer einrichten. Die Leichen von etwa 200 Opfern sollen in Kühlwagen in einem Zug bei Tores in der Ostukraine liegen. Bei dem Absturz von Flug MH17 kamen 193 Niederländer ums Leben. Die USA haben den Verdacht geäußert, dass die Aufständischen die Boeing mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen haben. Etwa 250 Opfer sind bisher geborgen worden.

„Als würde man einen Garten auf Vordermann bringen“

Putin hatte am Sonntag „volle Kooperation“ zugesichert. In einem Telefonat mit Rutte bot der russische Präsident nach Angaben Den Haags seine Hilfe bei der Übergabe der geborgenen Leichen sowie des Flugschreibers der Boeing 777 an. Auch in einem Telefonat mit dem australischen Regierungschef Tony Abbott signalisierte Putin seine Kooperationsbereitschaft.

Abbott, dessen Land 28 Staatsbürger bei Abschuss am Donnerstag verloren hat, erklärte, Putin habe „lauter richtige Dinge“ gesagt. Jetzt gehe es darum, dass er Taten folgen lasse. „Im Moment wird der Absturzort weniger wie ein Tatort behandelt, sondern eher so, als würde man einen Garten wieder auf Vordermann bringen“, sagte Abbott dem Radiosender 2GB und fügte hinzu: „Das ist völlig inakzeptabel.“

US-Außenminister John Kerry hatte bereits zuvor von einem grotesken Schauspiel gesprochen. „Betrunkene Separatisten stapeln Leichen auf Lastwagen und entfernen Material aus der Gegend.“ Andere Bergungskräfte erhalten nur begrenzten Zugang und dürfen nur unter Aufsicht der Rebellen arbeiten.

Der Uno-Sicherheitsrat könnte noch am Montag über eine Resolution zum Absturz der malaysischen Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord in der Ostukraine abstimmen. Die australische Uno-Mission setzte nach Angaben westlicher Diplomaten am Sonntagnachmittag (Ortszeit) ihren Resolutionsentwurf „in blau“. Damit ist das Papier abstimmungsreif und könnte nach der üblichen Frist von 24 Stunden zur Entscheidung kommen. Weil die Russen die Resolution mit ihrem Veto verhindern können, ist der Ausgang allerdings völlig offen.

Der australische Entwurf fordert von allen Beteiligten, insbesondere den prorussischen bewaffneten Separatisten, in deren Machtbereich die Absturzstelle liegt, eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den internationalen Behörden. Gleichzeitig soll das Papier jede Manipulation an der Absturzstelle untersagen. Es fordert zudem, dass die Flugschreiber und andere Beweisstücke sofort auszuhändigen sind.

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  • Es wird Zeit dass die EU und die Vereinigten Staaten ihre Verantwortung in der Ukraine-Krise gestehen. Es dreht sich um ein altes russisches Gebiet dass an Unabhängigkeit gelangen ist. Das ist schön und gut aber die Wurzeln sind da; viele Russen auch. Die Leute dort sollten unter sich ihre Probleme abwickeln. Wir in West-Europa und besonders die USA haben da nichts zu suchen. JG

  • Sie meinen also, dass im Netz nicht manipuliert und gelogen wird? Hahahaha....

  • Wirtschaft & Industrie,
    es ist an der ZEIT sich von diesem Gesindel
    (Die Marionetten) zu trennen, das Vertrauen abzuerkennen, zu entziehen und sich dem Land & Leute zu zuwenden!

    wenn ich das Radioprogramm vom "Unfalltag" bedenke öffentl. rechtl. WDR2 (NRW) dann war/ist das Kriegshetze im "regierung"auftrag!

    gestern irgendwo gelesen, die Niederlande wolle einen Nato Einsatz in der Ukraine gegen Russland. So eine SPD Figurine will Deutschen Blauhelm-Einsatz in der Ukraine gegen Russland ...


    (der Spanische Fluglotse der auf >Twitter< die beiden F16 Kampfflugzeuge meldete und obendrein das,
    der Tower vom Verteidigungsministerium Ukraine darüber informiert worden sei,
    die MH17 sei mit Boden-Luft Raketen Abgeschossen worden zu einem Zeitpunkt, an dem der Tower selbst nur das Radarsignal verloren hatte (in einem Luftraum der nicht gänzlich Radar erfasst ist) ...


    das folgende gehört zusammen wie ich finde:
    hier:
    http://german.ruvr.ru/2014_04_21/Russlands-Su-24-legte-einen-amerikanischen-Zerstorer-lahm-2419/

    hier:
    http://www.voltairenet.org/article183543.html


    Und wenn ich bedenke,
    das mittlerweile 10% - 15% (2010? waren es 2%) der Bürger sich im Netz informieren heißt das,
    85% - 90% sind der Manipulation der MassenMedien ausgesetzt (Brot & Spiel) Lügen & Diktat

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