
AthenDie Liste ist lang. Sie umfasst 81 Branchen und Hunderte Berufe. Polizisten sind darunter und Feuerwehrleute, Sprengmeister und Taucher. Es ist die Liste der sogenannten „schweren und gesundheitsgefährdenden Berufe“. Die Aufstellung, die 61 Seiten umfasst, enthält fast 600 Tätigkeiten. Wer ihnen nachgeht, und das sind immerhin rund 530.000 Griechen, kommt in den Genuss von Zulagen und kann sich früh zur Ruhe setzen: Frauen schon mit 50, Männer mit 55.
Männer wie Lambis Petropoulos. Der 54-Jährige betreibt ein kleines Friseurgeschäft im Athener Stadtteil Ilioupolis. „Ich arbeite bis zu zehn Stunden am Tag“, klagt Lambis, während er einem Kunden mit einem scharfen Rasiermesser die Bartstoppeln vom Kinn schabt. „Außerdem hantieren wir mit allerlei Chemikalien für die Damen“, sagt er, „das ist nicht ungefährlich.“ Aber für wen? Schwebt der Kunde, der sich bei Lambis rasieren lässt, nicht in größerer Gefahr als der Barbier?
Dass der Friseurberuf zu den „schweren“ und „gesundheitsgefährdenden“ Tätigkeiten zählt, ist nur eine von vielen Ungereimtheiten. Bergleute und Hochofenarbeiter stehen auf der Liste, Piloten und Krankenschwestern – zu Recht. Aber warum Konditoren, Köche und Kellner? Was ist am Beruf eines Taxifahrers so „schwer“ oder „gefährlich“? Warum kommen die Händler auf dem Athener Fischmarkt, die Raumpfleger der städtischen Bibliotheken und sogar Zeitungsredakteure und Zimmermädchen in den Genuss einer Frühpensionierung? Dass Bademeister und Baggerführer auf der Liste stehen mag man noch hinnehmen – aber Blasmusiker?
Mario Montis Regierung aus 17 parteilosen Fachleuten soll nach dem Rücktritt Berlusconis im November 2011 verhindern, dass Italien noch tiefer in die Schuldenkrise abrutscht. Das Land trägt eine Schuldenlast von rund 1,9 Billionen Euro.
Italien hat mit einer Gesamtverschuldung von rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung nach Griechenland den höchsten Schuldenberg in der Eurozone. Monti versicherte, dass er die beschlossenen Spar- und Reformmaßnahmen umsetzen wolle. Doch der Druck seitens der EU ist groß.
Rom hat erst vergangene Woche seine Wachstumsprognose gesenkt. Demnach wird die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr mit 1,2 Prozent dreimal so stark schrumpfen wie bislang angenommen.
Griechenland wird seit zwei Jahren mit milliardenschweren Hilfspakten gerettet. Im Gegenzug für die Unterstützung durch Europa und den Internationalen Währungsfonds (IWF) muss Athen einen massiven Sparkurs fahren.
Die Regierung unter Leitung von Lucas Papademos sollte nach dem Rücktritt von Giorgos Papandreou im November 2011 das Vertrauen der Märkte zurückerobern. Sie sollte die maßgeblichen politischen Kräfte in Griechenland bündeln und die Vorgaben der Kreditgeber umsetzen. Funktioniert hat das nur in Maßen. Jetzt hat Papademos für den 6. Mai 2012 Neuwahlen angekündigt. Das Land müsse neue Stabilisierungs- und Reformmaßnahmen ergreifen, so der Präsident.
Griechenlands Finanzlage hat sich im vergangenen Jahr zwar etwas gebessert, zeigt aber weiter tiefrote Zahlen. Der Fehlbetrag im Staatshaushalt belief sich 2011 auf 9,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) - das war etwas weniger als die 10,3 Prozent in 2010.
Der neue konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy hat sein Volk nach den vorgezogenen Neuwahlen im November 2011 auf harte Zeiten eingestimmt. Das krisengeschüttelte Spanien ist im vergangenen Jahr auf den dritten Platz der größten Haushaltssünder im Euro-Raum aufgerückt, wie die Statistikbehörde Eurostat berichtete. Das Haushaltsdefizit sank zwar auf 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach 9,3 Prozent im Vorjahr, war aber deutlich größer als angestrebt.
Schlimm sieht es für Spaniens Konjunktur aus, die Wirtschaft stürzte zu Jahresbeginn in die Rezession. Das Sparen wird für die Regierung deshalb noch schwerer. Dennoch will sie das Defizit in diesem Jahr auf 5,3 Prozent drücken. Spanien überholte sogar das Nachbarland Portugal, das Geld aus dem Euro-Krisenfonds erhält und strikt sparen muss.
Im Streit um die Beteiligung am Euro-Rettungsschirm EFSF hatte Ministerpräsidentin Iveta Radicova im Oktober ihren Rücktritt angekündigt. Im März 2012 gewann die Partei Smer-Sozialdemokratie mit Robert Fico klar die vorgezogene Parlamentswahl. Seit April ist Fico Ministerpräsident.
Auch hier brachte die Schuldenkrise einen Regierungswechsel. Die sozialistische Regierung von José Sócrates wurde angesichts der schweren Wirtschaftskrise im Juni 2011 abgewählt. Aber auch die neue liberal-konservative Regierung unter Ministerpräsident Pedro Passos Coelho steht mächtig unter Druck.
Das Land ist weiterhin ein Sorgenkind der Eurozone.
In der schweren Wirtschaftskrise setzten die Iren auf eine neue Regierung. Bei der Parlamentswahl im Februar 2011 straften sie die wirtschaftsliberale Regierungspartei Fianna Fail von Premierminister Brian Cowen ab. Neuer Premierminister wurde Enda Kenny. In der neuen Regierung koaliert die konservative Fine Gael mit der linken Labour-Partei.
Die Regierung will das Staatsdefizit von zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2015 auf unter drei Prozent senken. Dazu sollen unter anderem Staatsbeteiligungen im Wert von zwei Milliarden Euro verkauft werden und im öffentlichen Dienst 25.000 Stellen wegfallen. Irland wurde von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem 85 Milliarden Euro schweren Rettungspaket vor der Pleite bewahrt und muss im Gegenzug eisern sparen.
Die niederländische Regierung ist im April 2012 zurückgetreten. Am 12. September sollen vorgezogene Neuwahlen stattfinden. Die bisherige Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte zerbrach an Verhandlungen über Sparmaßnahmen in Höhe von 14 Milliarden Euro. Die Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders kündigte aufgrund der Verhandlungen den Regierungsvertrag auf. Ruttes Koaliton hat ohne Wilders' Partei keine Mehrheit im Parlament.
Mit dem Sparkurs wollen die Niederlande die Neuverschuldung auf das von der EU vorgeschriebene Niveau von drei Prozent drücken. Die Agentur Moody's behielt vorerst das AAA-Rating des Landes bei, warnt aber vor einer Herabstufung, wenn die Sparziele nicht weiter verfolgt werden.
In Griechenland scheint es kaum eine Tätigkeit zu geben, die nicht „schwer“ oder „gefährlich“ ist. Von der Küchenhilfe bis zur Klofrau, vom Friedhofsgärtner bis zum Filmvorführer, vom Nachtwächter bis zum Nachtklubsänger: Im Laufe der Jahrzehnte haben es immer mehr Berufsgruppen geschafft, von den Politikern in die Liste der begünstigten Schwerstarbeiter aufgenommen zu werden. Die Triebwagenführer der Athener Stadtbahn gehören ebenso dazu wie die Gemüsehändler auf dem Großmarkt und die Fahrkartenkontrolleure der öffentlichen Verkehrsbetriebe. Sogar die Nachrichtensprecher des staatlichen Rundfunks gehen einer „schweren“ und „gesundheitsgefährdenden“ Tätigkeit nach.
@ Pastizio: „Pastizio ist ein maltesisches Süßgebäck. Aber woher soll das eine germanische Schweinshaxe wissen, deren Unwissen sich allein nur auf deutsch-sprachige Quellen ergründet.“
Wenn man sich schon Pastizio nennt und über Griechenland daherredet, sollte man wissen, dass Pastizio die Lasagne der Griechen ist.
ZITAT: Die Lasagne der Griechen: Pastizio, griechischer Nudel-Hackfleischauflauf.
@ Pastizio: „Übrigens ist unter anderem auch von Herrn Albrecht Ritschl, seines Zeichen Wirtschaftshistoriker und an der London School of Economics and Political Science tätig, der Betrag über 92 Milliarden noch im Sommer dieses Jahres bekräftigt.“
Danke für die Gedächtnisauffrischung: Ich hatte noch in Erinnerung, dass ein dubioser Prof. an der LSE, ein Österreicher?, damals widerlegt worden ist.
@ Pastizio: „Der gemeine Deutsche erweist sich hier wieder einmal als außergewöhnlich Faktenresistent, wenn es um die Aufarbeitung der deutschen Geschichte geht. Dennoch überraschend, dass man derartiges Halbwissen und Borniertes hier lesen muß.
Sollte sich die europäische Völkergemeinschaft in dem gemeinen "hässlichen Deutschen" derartig irren?“
Ich bin bei Heidelberg aufgewachsen. Die Schlossruine könnte mich an den gemeinen Franzosen erinnern, der in regelmäßigen Abständen zum Plündern über den Rhein kam, einfach so.
Aber nach dem 2. WK haben Charles de Gaulle und Konrad Adenauer beschlossen, dass mit dem gegenseitigen Aufrechnen Schluss sein muss, und dazu die EU gegründet. Ihr Herumgiften an dem gemeinen Deutschem passt nicht mehr in die Landschaft. Sind Sie ein frustrierter GRÜNER oder leiden Sie unter einem Migrationshintergrund? Vielleicht Prof. Bade?
Pastizio ist ein maltesisches Süßgebäck. Aber woher soll das eine germanische Schweinshaxe wissen, deren Unwissen sich allein nur auf deutsch-sprachige Quellen ergründet.
"Was soll diese Wiederholung einer unbewiesene Legende von den nicht bezahlten zwangsauferlegten Kriegsanleihen. M.W. wurde diese Story hier im Blog schon widerlegt." ...eben weil sie vom griechischen Volk erzwungenermaßen "bezahlt" wurden und das Selbige ein Recht auf Rückerstattung dieses geraubten Vermögens hat - inkl. aufgelaufener Zinsen. - so viel zu ihrem Sprach- bzw. kaufmännischen Verständnis.
Dank Staufen, Goten, Vandalen, Deutschkaiserliche, Nationalsozialisten musste die ganze Völkergemeinschaft für das DEUTSCHE zahlen. Vielleicht liest man, was andere zum Thema sagen, die es besser wissen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769052,00.html. Übrigens ist unteranderem auch von Herrn Albrecht Ritschl, seines Zeichen Wirtschaftshistoriker und an der London School of Economics and Political Science tätig, der Betrag über 92 Milliarden noch im Sommer dieses Jahres bekräftigt.
Der gemeine Deutsche erweist sich hier wieder einmal als außergewöhnlich Faktenresistent, wenn es um die Aufarbeitung der deutschen Geschichte geht. Dennoch überraschend, dass man derartiges Halbwissen und Borniertes hier lesen muß.
Sollte sich die europäische Völkergemeinschaft in dem gemeinen "hässlichen Deutschen" derartig irren?
@ tabascoman
In der Tat kenne ich eine Friseurin die ihren Beruf aufgeben musste, weil sie auf die Chemikalien bei den (Damen-) Haarbehandlungen allergisch reagierte. Sie wechselte zur Industriekauffrau.
In der Tat kenne ich auch eine Friseurin, die ihren Partner aufgegeben musste, weil sie gegen dessen Latex-Präservative allergisch reagierte....
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