Abwertung des Dollars wirkt: Exporte im Mai gestiegen
US-Handelsbilanzdefizit geht deutlich zurück

Die Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro und den asiatischen Währungen macht sich nun doch bemerkbar: US-Unternehmen haben im Mai deutlich mehr Waren exportiert als noch im April. Durch den Dollar-Wertverlust sind US-Produkte im Ausland preiswerter.

pbs DÜSSELDORF. Weil die Ausfuhren mit einem Zuwachs von 2,9 Prozent deutlich stärker stiegen als die Einfuhren (plus 0,4 Prozent), sank das Defizit in der US-Handelsbilanz. Der Fehlbetrag ging von seinem Rekordhoch von 48,1 Mrd. US-Dollar im April auf nun knapp 46 Mrd. Dollar zurück, berichtete gestern das US-Handelsministerium. Das ist ein Rückgang um 4,5 Prozent. Zuletzt sank das Defizit im Oktober 2002 um einen vergleichbar großen Anteil. Rechnet man die ersten fünf Monate dieses Jahres zusammen, ist der Fehlbetrag in der Handelsbilanz allerdings noch immer höher als in den ersten fünf Monaten des Vorjahres.

Aber es ist nicht nur der preiswertere Dollar, der die Exportwirtschaft in den USA stimuliert. Hinzu kommt, dass sich die Wirtschaft wichtiger US-Handelspartner – der Euro-Zone und Japans – erholt hat. In beiden Räumen stieg die Nachfrage nach US-Waren. In der Folge sank das Defizit im Handel gegenüber den Ländern der Europäischen Union auf 5,8 Mrd. von rund 7 Mrd. Gegenüber Japan verminderte sich der Passivsaldo auf 5,5 Mrd. nach 6,4 Mrd. Dollar. Das Defizit gegenüber China stieg dagegen leicht auf 12,1 Mrd. von rund 12 Mrd. Dollar.

Vor allem amerikanische Flugzeuge, Autos und andere Kapitalgüter waren außerhalb der Landesgrenzen begehrt. Allein der Export ziviler genutzter Flugzeuge stieg im Mai um ein Viertel gegenüber dem Vormonat. Die Ausfuhr von Kapitalgütern wuchs um gut sechs Prozent – ganz vorne lagen Halbleiter und Computer.

Ökonomen zufolge könnte das US-Wachstum im zweiten Quartal nun höher als bisher erwartet ausfallen. Der Rückgang des Defizits könnte 0,2 Prozentpunkte zum Wachstum beitragen, schätzt Ian Shepherdson, Volkswirt bei dem US-Informationsdienst High Frequency Economics. Derzeit sehen die Prognosen der Ökonomen im Mittel ein Wachstum von 4,1 Prozent gegenüber dem ersten Quartal auf Jahresrate hochgerechnet vor. Zwischen Januar und März war das US-Bruttoinlandsprodukt um 3,9 Prozent gewachsen. Damals hatte das Defizit in der Handelsbilanz 0,7 Prozentpunkte Wachstum gekostet.

Trotz des hohen Ölpreises und des Anstiegs der Teuerung insgesamt ist der Wert der Importe nur moderat gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl hatte sich im Mai auf rund 33 Dollar von 31 Dollar im April erhöht. Bereits seit Sommer 2003 steigt der Hunger nach Importen. „In den letzten Monaten wurde dies durch die Entwicklung des Ölpreises noch unterstützt“, sagt Patrick Franke, Ökonom bei der Commerzbank. Allerdings legten die Exporte seit Jahresbeginn noch stärker zu als die Importe. Künftig würden die Abwertung des Dollars und die hohe Wachstumsdynamik helfen, das Handelsbilanzdefizit zu stabilisieren, meint Franke.

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