Abwrackprämie
Auch die Briten belohnen jetzt das Verschrotten

Als letzter großer europäischer Automarkt plant jetzt auch Großbritannien eine Abwrackprämie. Die Regierung erwägt, ab April bis zu 2 000 Pfund (2 220 Euro) Prämie zu zahlen, wenn ein Autokäufer ein altes Modell gegen einen Neuwagen eintauscht.

LONDON. Das sagte Premierminister Gordon Brown in einem Interview mit der Tageszeitung „The Independent“. Die Prämie ist ein Teil einer Initiative für „grünes Wachstum“, die Brown mit dem kommenden Staatshaushalt einleiten will. Wirtschaftsverbände fordern die Prämie seit Monaten.

Von der britischen Autoindustrie hängen nach Verbandsangaben rund 800 000 Arbeitsplätze ab. Sie besteht fast durchweg aus Töchtern von Konzernen aus den USA, Japan, Deutschland und Frankreich. Der britische Autoabsatz ist in den ersten drei Monaten des Jahres um 30 Prozent eingebrochen, während er in Deutschland stark wuchs. „Der Erfolg solcher Prämien, vor allem in Deutschland, übt Druck auf die Regierung aus, sagte Paul Everitt, Chef des Verbandes der Autohersteller und -händler (SMMT). Gestern startete auch die einflussreiche Boulevardzeitung „Sun“ eine entsprechende Kampagne.

Die Regierung sieht die Abwrackprämie als Soforthilfe für die mit der Rezession kämpfende Autoindustrie. Mittelfristig will sie Großbritannien zu einem weltweit führenden Hersteller von Elektroautos und anderen umweltfreundlichen Fahrzeugen machen. Brown kündigte an, Modellversuche für den Umstieg auf Elektroautos in zwei oder drei Städten zu finanzieren. Auch erwägt er, die Regierung mit Elektroautos auszustatten, um den Bürgern ein Beispiel zu geben. Finanzminister Alistair Darling wird laut Brown in seinem Haushaltsplan am 22. April eine „grüne Revolution“ ausrufen. Sie soll 400 000 neue Jobs schaffen und die CO2-Emissionen senken. Damit reagiert er auch auf die Forderung des Industrieverbandes CBI, den Bekenntnissen zu grünen Technologien Taten folgen zu lassen.

Gegenwärtig führt das von Brown propagierte Elektroauto aber noch ein Nischendasein. Laut SMMT waren 2008 gerade mal 179 Elektroautos in Großbritannien registriert, 40 Prozent weniger als 2006. „Solange die Regierung nicht die richtigen Anreize bietet, werden die Leute nicht in Scharen Elektroautos kaufen“, sagte ein SMMT-Sprecher. „Wir stehen hinter der Autoindustrie, aber wir müssen in ihre Zukunft und nicht in ihre Vergangenheit investieren“, sagte Wirtschaftsminister Peter Mandelson. Die Regierung hatte lange gezögert, den Autoherstellern direkt zu helfen. Im Januar hatte sie aber ein Programm aufgelegt, das den Unternehmen bei Investitionen in die Entwicklung emissionsarmer Autos helfen sollte. Es hatte einen Umfang von 2,3 Mrd. Pfund, von denen allerdings 1,3 Mrd. aus Mitteln der Europäischen Investmentbank (EIB) stammen sollten.

Das Förderinstitut gewährte jetzt dem zur indischen Tata-Gruppe gehörenden Hersteller Jaguar Land Rover für die Entwicklung umweltfreundlicherer Modelle einen Kredit von 366 Mio. Euro; die Regierung gibt 27 Mio. Pfund dazu. Nissan erhält von der EIB 400 Mio. Euro, die auf spanische und britische Werke aufgeteilt werden.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%