Abzug der Uno gefordert
Taliban kündigen Ermordung von UN-Wahlhelfern an

Die radikalislamischen Entführer von drei ausländischen UN-Wahlhelfern in Afghanistan haben Beweise dafür vorgelegt, dass sie die beiden Frauen und den Mann in ihrer Gewalt haben. Sie haben zudem mit deren Ermordung gedroht, wenn nicht bis Mittwoch alle Taliban- und Al-Kaida-Kämpfer aus US-Gefangenschaft freikommen.

HB KABUL. Die Geiseln würden getötet, wenn dies nicht bis Mittwochmittag (Ortszeit, 8.30 Uhr MEZ) geschehe, sagte der Anführer der Gruppe Dschaisch-e-Muslimin, Mullah Sajed Mohammed Akbar Agha, am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira strahlte ein Video aus, das die Geiseln zeigt. Ein Mann und zwei Frauen knieten auf dem Boden vor maskierten Extremisten.

Die Geiseln - eine Frau mit britischer und irischer Staatsbürgerschaft, eine Frau aus dem Kosovo und ein philippinischer Diplomat - waren am Donnerstag verschleppt worden. Sie hatten bei der Vorbereitung der Präsidentenwahl in Afghanistan, die am 9. Oktober stattfand, geholfen.

Akbar Agha nannte in dem Reuters-Interview die Forderungen seiner Gruppe: So sollen alle Taliban- und Al-Kaida-Kämpfer freikommen, die in Afghanistan und im Militärstützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba in US-Gefangenschaft sind. Die Vereinten Nationen (UN) sollen Afghanistan verlassen und die Einmischung Großbritanniens und der USA in dem Land als illegal bezeichnen. Diese Forderung gilt auch für Länder wie die Philippinen, die in Afghanistan militärisch nicht tätig sind. Zudem sollen Akbar Agha zufolge Großbritannien und Kosovo ihre Einheiten aus Afghanistan sofort abziehen. Die unter UN-Verwaltung stehende serbische Provinz hat allerdings keine Truppen in Afghanistan.

Die Entführung der UN-Mitarbeiter nährte die Sorge, Extremisten, die gegen die fast 28 000 Soldaten der USA und der Nato kämpfen, könnten die Strategie der Aufständischen im Irak übernehmen. Dort haben Extremistengruppen zahlreiche Ausländer entführt und mehrere Dutzend von ihnen getötet, um den Abzug ausländischer Truppen und Firmen zu erpressen. Die UN schätzen, dass sich rund 2000 westliche Ausländer in Afghanistan aufhalten, die meisten von ihnen Diplomaten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban distanzierte sich allerdings von den Geiselnehmern: „Es (die Geiselnahme) ist ihre Sache, wir sind daran nicht beteiligt“.

Die Gruppe Dschaisch-e-Muslimin (Armee der Moslems) entstand im August, nachdem nach Einschätzung vieler Taliban-Kommandeure die Bewegung unter der Führung von Mullah Omar uneffektiv geworden war. Ziel der Gruppe ist es, den Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan zu erreichen und eine islamische Regierung zu gründen.

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