
urw/mth/gbr/kk/ang/hst/fsp DÜSSELDORF. Der drohende Abzug der Niederländer aus Afghanistan weckt Befürchtungen vor einer Schwächung der Nato-geführten Schutztruppe Isaf. Direkt betroffen sind die australischen Streitkräfte, die 1550 Soldaten in Afghanistan stationiert haben und sich mit den Niederländern die Verantwortung in der Provinz Urusgan teilen. Australien könne dort "nicht die Führung übernehmen", sagte Außenminister Stephen Smith. Das habe er der Nato und den USA "klar mitgeteilt".
Damit könnten neue Forderungen auf die Bundeswehr zukommen, sich auch außerhalb ihres relativ ruhigen Einsatzgebietes im Norden Afghanistans zu engagieren. Der Bundestag entscheidet am Freitag über eine Aufstockung des Kontingents. Nachdem die SPD-Spitze der Fraktion am Montag die Zustimmung empfohlen hat, wird mit einer breiten Mehrheit für das Mandat gerechnet.
Die Regierungskoalition in Den Haag war am Wochenende im Streit über die Afghanistan-Politik zerbrochen. Während die Sozialdemokraten auf dem vereinbarten Truppenabzug ab August beharrten, wollte Premier Jan Peter Balkenende ein kleineres Kontingent im Land lassen. Obwohl Australien laut Verteidigungsminister John Faulkner schon länger mit dem Schritt gerechnet hat, "werden die Auswirkungen eines Rückzugs spürbar sein".
Hoher Blutzoll der Briten
Die Entwicklung in Den Haag dürfte auch der Afghanistan-Debatte in Großbritannien neue Nahrung geben. Kein Land - nicht einmal die USA - stelle im Vergleich zur Bevölkerungszahl mehr Truppen am Hindukusch, hat die Nichtregierungsorganisation "Jury Team" ausgerechnet. Auch der Blutzoll sei höher als bei anderen Nationen. Seit Beginn des Krieges 2001 sind 263 Briten im Afghanistan-Einsatz getötet worden, vor allem im Süden, dem Kernland der Taliban-Rebellen.
Laut einer von "Jury Team" in Auftrag gegebenen Umfrage fordern 67 Prozent der Briten eine Reduktion des britischen Kontingents auf Nato-Durchschnitt. Trotzdem ist Londons Engagement derzeit nicht gefährdet. Zwar drohte der Parteienkonsens im Spätherbst 2009 angesichts der unklaren Strategie von US-Präsident Barack Obama zu zerbrechen. Doch nach der Londoner Afghanistan-Konferenz und dem Beginn der Operation Moshtarak steht das Land wieder hinter dem Einsatz.
Dagegen bereitet Kanada, das ebenfalls ein großes Isaf-Kontingent stellt, einen Abzug seiner Soldaten vor. Die regierenden Konservativen und die oppositionellen Liberalen hatten 2008 beschlossen, den Einsatz in der Provinz Kandahar ab Mitte 2011 zu beenden. Schon heute verlagert das Land sein Engagement vom Kampfauftrag hin zur Aufbauarbeit und der Ausbildung von Polizisten und Soldaten. Die Bevölkerung ist gespalten. Umfragen zeigen, dass etwas mehr als die Hälfte der Kanadier den Einsatz am Hindukusch ablehnen. Dies hängt wohl auch mit den 140 getöteten Soldaten zusammen, die Kanada seit Beginn des Einsatzes zu beklagen hat.
Allerdings gibt es auch gegenläufige Tendenzen. Italien will zwar laut Außenminister Franco Frattini seine Truppen spätestens 2013 nach Hause holen. Zuvor soll das italienische Kontingent aber noch um 1000 Soldaten und 200 Carabinieri aufgestockt werden. Rom folgt damit den Wünschen der US-Regierung, die in einer kurzfristigen massiven Truppenaufstockung den Schlüssel für einen baldigen Abzug sieht.
Dieser Argumentation folgt auch Spanien, das seine Truppe gerade um 511 Soldaten und 24 Polizisten aufstockt. Dies diene dem Ziel, "unsere Arbeit schneller zu vollenden" und dafür zu sorgen, dass "die Afghanen selbst für ihr Land verantwortlich sein können", sagte Verteidigungsministerin Carme Chacón. Madrid intensiviert deshalb vor allem die Ausbildung der afghanischen Armee. Im Parlament stimmten alle Parteien bis auf eine kleine Linkspartei der Entsendung weiterer Kräfte zu.
In Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden, die kleinere Isaf-Kontingente stellen, glaubt nach Umfragen nur noch knapp die Hälfte der Wähler an einen Erfolg in Afghanistan. Schwedens Außenminister Carl Bildt betonte aber mehrfach, dass sein Land "weiter in Afghanistan" für den Frieden arbeiten wolle.
Zivile Opfer bei Nato-Angriff
Bei einem Nato-Luftangriff in Südafghanistan sind Regierungsangaben zufolge 27 Zivilisten getötet und zwölf verletzt worden. Die Besatzung der Maschine habe die Personen fälschlicherweise für Aufständische gehalten, teilte die Regierung in Kabul mit. Demnach feuerte ein Nato-Flugzeug am Sonntag auf einen Konvoi von drei Fahrzeugen nahe der Grenze der Provinzen Urusgan und Dai Kondi. Die von der Nato geführte Isaf-Schutztruppe bestätigte, dass bei einem Angriff Zivilisten getötet wurden, nannte aber keine Opferzahlen.
Es war bereits das dritte Mal in einer Woche, dass bei Nato-Luftangriffen Zivilisten und andere Unbeteiligte getötet wurden. Am Donnerstag wurden in der Provinz Kundus im Norden des Landes afghanische Polizisten bombardiert und sieben von ihnen getötet. Am Montag vergangener Woche starben bei einem Luftangriff in der Provinz Kandahar fünf afghanische Zivilisten.
Der jüngste Zwischenfall ist einer der schwersten seit dem vom deutschen Oberst Georg Klein angeforderten Luftangriff auf zwei Tanklastzüge nahe Kundus, der in Deutschland inzwischen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss beschäftigt. Der Angriff im September, bei dem bis zu 142 Menschen getötet wurden, war damals vom Nato-Oberbefehlshaber in Afghanistan, Stanley McChrystal, als Fehlentscheidung kritisiert worden. Der US-General hatte die Order ausgegeben, Luftangriffe weitmöglichst einzuschränken, um zivile Opfer zu vermeiden.
Auch nach dem Angriff vom Sonntag drückte McChrystal seine Bestürzung über die zivilen Opfer aus. Der Vorfall werde untersucht, teilte der General mit. Demnach war der Luftangriff nicht Teil der seit Mitte Februar laufenden Großoffensive gegen die radikal-islamischen Taliban in der Nachbarprovinz Helmand. Das afghanische Kabinett verurteilte den Angriff auf Zivilisten als unverantwortlich. Der Vorfall könnte das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in die ausländischen Truppen weiter schwächen.

Tja, mit der Demokratie(!) in Afghanistan wird das wohl nichts mehr, aber Hauptsache der Rockefeller/Rothschild-Clan bzw. der nichtstaatliche Council on Foreign Relations (kurz CFR; die eigentliche inoffizielle US-Regierung) hat sich den Heroinhandel aufbauen und sichern können. Wieder eine tolle "Entwicklungshilfe"!
1 Kommentar
Alle Kommentare lesen