Abzug nach 29 Jahren
Syrien beendet Besatzung im Libanon

Im Libanon ist eine Ära zu Ende gegangen: Nach 29 Jahren Besatzung zogen die Syrer am Dienstag endgültig ihre Truppen aus dem Land ab - und erhielten von den Libanesen dafür Orden.

HB RIJAK. Die frühere Ordnungsmacht Syrien wurde mit einer feierlichen Zeremonie auf dem libanesischen Luftwaffenstützpunkt Rijak verabschiedet. Vor ihrem Abzug wurden mehrere syrische Offiziere noch mit libanesischen Tapferkeitsorden ausgezeichnet.

Der syrische Präsident Baschar el-Assad hatte den Truppenabzug rechtzeitig vor der Veröffentlichung des Berichts von UN- Generalsekretär Kofi Annan über die Fortschritte bei der Libanon- Resolution 1559, die den Truppenabzug verlangt, angeordnet. Seit der Ermordung des früheren libanesischen Regierungschefs Rafik Hariri am 14. Februar hatte die syrische Regierung unter Druck gestanden. Auf Massendemonstrationen warfen die Menschen der Regierung des Nachbarlandes vor, an der Tat beteiligt gewesen zu sein.

Auch die Zentrale des syrischen Geheimdienstes im Libanon wurde aufgelöst. Der libanesische Sicherheitschef Dschamil al-Sajjed reichte daraufhin seinen Rücktritt ein. Kritiker werfen ihm vor, sich als enger Verbündeter Syriens in die libanesische Politik eingemischt zu haben.

Die anti-syrische Opposition im Land fordert die Entlassung aller Sicherheitschefs, weil sie die Ermittlungen gegen die Attentäter ihres Anführers Rafik al-Hariri nicht neutral geführt hätten. Sie macht für den Tod Hariris Mitte Februar Syrien verantwortlich.

Die Syrer waren nach dem Ende des libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990) als Schutztruppe im Land geblieben. Nach einem früheren Abkommen hätten sie aber schon lange abziehen müssen. Zum Jahresbeginn hatte Syrien noch 14 000 Soldaten im Nachbarland stationiert. Damaskus übte erheblichen Einfluss auf die politischen Entscheidungen in Beirut und sogar auf lokaler Ebene aus.

Das libanesische Volk bleibt jedoch auch nach dem Abzug der Syrer gespalten. Anhänger der Opposition begrüßen das Ende des Einflusses durch das Nachbarland. Sie hatten syrische Geheimdienstkreise und deren libanesische Verbündete im Sicherheitsapparat für die Gewalt im Land verantwortlich gemacht. Ein großer Teil der Libanesen unterstützt jedoch weiterhin die pro-syrische Hisbollah, die von vielen als Widerstandsgruppe gegen die israelische Besatzung arabischer Gebiete angesehen wird.

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