24 Bewertungen ****
02.10.2008 
Unterstützung aus Frankreich

Ackermann fordert Notplan für Europa

von Holger Alich, Ruth Berschens, Frank M. Drost und Peter Köhler

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat einen europäischen Notfallplan für die Finanzwirtschaft nach US-Vorbild vorgeschlagen. Unterstützung erhält er aus Paris: Auch Frankreich will einen EU-Notfonds einrichten. Deutschland steht solchen Plänen skeptisch gegenüber.

Fordert einen europäischen Notfallplan für die Banken: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Foto: dpaLupe

Fordert einen europäischen Notfallplan für die Banken: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Die deutsche Kreditwirtschaft drängt angesichts der Finanzkrise auf ein europäisches Rettungspaket für die Banken nach dem Vorbild der USA. „Wenn die USA ein solches Paket verabschieden, sollte Europa bereit sein, vergleichbare Lösungen zu finden“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in Frankfurt. Es gebe zwar keinen unmittelbaren Bedarf, „doch solche Pläne müssen in der Schublade sein, um im Fall der Fälle gewappnet zu sein“, ergänzte der Vorstandsvorsitzende der führenden deutschen Bank.

Auch im Lager der öffentlich-rechtlichen Banken werden die Stimmen lauter, die entsprechende Vorsorge auf europäischer Ebene fordern. „Es gibt keinen akuten Notfall, aber wir brauchen klare Regeln und Ablaufpläne in Europa, wenn sich die Finanzkrise weiter verschärfen sollte“, sagte ein Insider. „Die Krise hat eine europäische Dimension erreicht, für die wir auf dieser Ebene entsprechende Antworten vorbereiten müssen“, hieß es in Berliner Finanzkreisen.

Frankreich unterstützt diese Forderung, die in Berlin bislang aber auf wenig Gegenliebe stößt. Die Vorsitzende des EU-Finanzministerrats, Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde, schlug in einem Interview mit dem Handelsblatt die Schaffung eines EU-Notfonds vor, der bei einer Bankenschieflage eingreifen soll. Lagarde: „Was geschieht, wenn ein kleinerer EU-Staat von einer drohenden Bankenpleite betroffen ist? Vielleicht hat dieser Staat nicht die Mittel, um das Institut zu retten. Daher stellt sich die Frage nach einer europäischen Auffanglösung“, sagte Lagarde. Die zwischenzeitlich von der Nachrichtenagentur Reuters vermeldete Summe von 300 Mrd. Euro hat Lagarde inzwischen dementiert.

Flankenschutz gab auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Der geschäftsführende Direktor, Dominique Strauss-Kahn, forderte die europäischen Staaten dazu auf, sich mit einem gemeinsamen Plan auf eine Ausweitung der Bankenkrise vorzubereiten. In einem Interview mit Reuters sagte er, frühes Handeln sei wichtig, denn wegen der EU-Regeln sei Krisenmanagement in Europa schwieriger als in den USA.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Vorhersage Europa

weiterBildergalerien

zurück
  • Reif für die Senioren-Union? 60 Jah...

    Reif für die Senioren-Union? 60 Jahre Seehofer

    Als er als Ministerpräsident nach Bayern kam, schmiss er alle über 60-Jährigen aus dem Kabinett. Jetzt erreicht der bayrische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer selbst die magische Grenze. Doch das wird er durchstehen – wie er schon so manch...Bildergalerie 

  • G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, P...

    G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, Paläste

    G8-Gipfel sind nicht ohne Demonstranten denkbar. 1999 fand der letzte „normale“ Gipfel statt – in Köln. Seither igeln sich die Staatschefs an schwer zugänglichen Orten ein. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Große Koalition: Bilanz mit Schönhe...

    Große Koalition: Bilanz mit Schönheitsfehlern

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt die Tagesordnung des Parlaments seit bald einem Jahr - und hat mit dazu beigetragen, dass die Große Koalition mehr Gesetze beschlossen hat als einst die Regierung von Kanzler Gerhard Schröder in der Legislaturperiode ...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Hässliches Gesicht 

03.07.2009Global Reporting

Die Bluttat von München schockiert die Schweiz. „Mordversuch“, „Schläger ohne Reue“, „Empörung über Schweizer Schläger in München“, titeln die Zeitungen. Blog


weiterMadagaskar

Keine Revolution, kein Live-Blog 

02.07.2009Madagaskar

Der Aufstand gegen die Wahlfälschung hat Iran verändert, aber (noch) keine Revolution ausgelöst. Daher berichte ich hier nur noch vereinzelt über den Machtkampf in Teheran. Blog


Handelsblatt Marktplatz

Über 220 000 Seminare zu 120 Themen. Aktuell: Abendseminare mit Spitzen-Trainern. Weiter