Ägypten
Al-Sisi kandidiert offiziell fürs Präsidentenamt

Er ist bereits der heimliche Machthaber des Landes, jetzt will er sich auch offiziell zum Staatsoberhaupt wählen lassen: Armeechef al-Sisi hat alle seine Ämter niedergelegt und im Fernsehen seine Kandidatur angekündigt.
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KairoKnapp neun Monate nach dem Sturz des ersten demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi steuert Ägypten wieder auf einen Staatschef aus den Reihen des Militärs zu: Nach monatelangem Warten verkündete Armeechef Abdel Fattah al-Sisi am Mittwochabend seine Kandidatur für die anstehende Präsidentschaftswahl. Der Sieg der 59-jährigen Karriereoffiziers bei der für das Frühjahr geplanten Wahl gilt als sicher.

Er lege seinen Posten als Armeechef nieder und trete als Verteidigungsminister und Vize-Ministerpräsident zurück, erklärte al-Sisi im Fernsehen. „Ich stehe das letzte Mal in Militäruniform vor Ihnen.“ Nach der Verfassung darf nur ein Zivilist für das höchste Staatsamt kandidieren.

In seiner kurzen Ansprache kündigte al-Sisi an, seinen Kampf „für ein Ägypten ohne Terrorismus“ fortzusetzen. Die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme des Landes müssten mit „Kraft und Mut“ angegangen werden.

Al-Sisi ist der heimliche Machthaber Ägyptens seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mursi Anfang Juli 2013. Er hatte bereits mehrfach seine Bereitschaft zu einer Kandidatur bekundet, falls das Volk dies wünsche. Als wichtiger Test für ihn galt ein Referendum über die überarbeitete Verfassung im Januar.

Die Verfassung wurde mit breiter Mehrheit angenommen – allerdings beteiligten sich nur 39 Prozent der Wahlberechtigten an der Volksabstimmung. Mit Ausnahme von Mursi kamen Ägyptens Staatschefs seit einem Putsch gegen die Monarchie im Jahr 1952 aus den Reihen des Militärs oder wurden von ihm installiert.

Die Muslimbruderschaft äußerte am Mittwoch scharfe Kritik an der Kandidatur al-Sisis. Unter al-Sisi werde es im Land „keine Stabilität oder Sicherheit“ geben, warnte das Führungsmitglied Ibrahim Munir. „Er führte einen Putsch, um Präsident zu werden.

Er ist ein Mann, der täglich seit dem Putsch getötet hat“, sagte Munir der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf die mehr als 1400 Mursi-Anhänger, die bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen dessen Sturz getötet worden waren.

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