Ägypten
Bürger demonstrieren für Einigkeit

Bei der größten Versammlung seit dem Sturz des ägyptischen Ex-Präsidenten Mubaraks wollten die Teilnehmer in Kairo Einheit demonstrieren. Die Proteste zeigten jedoch: von Einigkeit ist die Bürgerbewegung weit entfernt.
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KairoZehntausende Demonstranten haben sich am Freitag auf dem Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo zu einer der größten Demonstrationen seit dem Sturz von Husni Mubarak versammelt. Angesichts einer zusehends gespaltenen Bürgerbewegung wollten sie ein Zeichen der Einigkeit setzen. Ultrakonservative Muslime widersetzten sich jedoch einer Abmachung, strittige Themen bei der Demonstration auszusparen und verlangten die Einführung der Scharia.

Gemeinsam fordern die Demonstranten, dass Mitglieder der Regierung des vor fünf Monaten gestürzten Expräsidenten Husni Mubarak zügig der Prozess gemacht wird. Zudem setzten sie sich für einen klaren Zeitplan für den Übergang zu einer zivilen Regierung ein. Derzeit wird Ägypten provisorisch von einem Militärrat regiert. Zu Aufregung führten lautstarke Rufe der ultrakonservativen Salafis, die für die Einführung der Scharia demonstrierten. Verschiedene Gruppen hatten sich vor den Protesten geeinigt, dass strittige Themen ausgespart werden sollten.

Dass die Proteste größer waren als zuletzt zeigt den Einfluss islamistischer Gruppen. Die waren zuletzt Demonstrationen ferngeblieben, weil sie den Militärrat unter Druck setzen wollten. Der unterstützt wie weltlich gesinnte Ägypter eine Forderung nach festen Regeln für eine Reform der Verfassung nach der für Jahresende angesetzten Parlamentswahl. Religiös gesinnte Parteien, wie die gut organisierte Muslimbruderschaft, wenden sich gegen solche Richtlinien. Ihrer Ansicht nach sollten die Kräfte eines neu gewählten Parlaments nicht auf diese Art und Weise beschränkt werden.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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