Ägypten
Demokratie mit kleinen Schönheitsfehlern

Fröhliche Wählerinnen, scherzende Wahlleiter und Soldaten, die für Ordnung sorgen. Die ägyptische Präsidentenwahl sieht aus wie ein Fest der Demokratie. Doch das dicke Ende kommt vielleicht noch.
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KairoWie einen räudigen Hund haben die Ägypter im vergangenen Jahr ihren Präsidenten Husni Mubarak vom Hof gejagt. Der konnte sich mit schmutzigen Tricks und Wahlfälschung fast 30 Jahre lang an der Macht halten.

„Diesmal entscheidet die Urne“, gibt sich der 47-jährige Zivilingenieur Tarik Adil al-Galami in der langen Schlange vor einem Kairoer Wahllokal optimistisch. Doch einige der neuen Stars der ägyptischen Politikerszene sind auch mit allen Wassern gewaschen, wie sich jetzt bei der Wahl von Mubaraks Nachfolger zeigt.

Zwar marschieren bei dieser Präsidentenwahl keine Schlägertrupps mehr vor den Wahllokalen auf. Doch ähnlich wie damals versuchen auch diesmal wieder etliche Wahlhelfer, die Wähler bei der Stimmabgabe zu beeinflussen. Vor allem die Analphabeten, die oft nicht wissen, wo sie ihr Kreuz machen sollen, sind eine leichte Beute.

Besonders viele Beschwerden gibt es am ersten Wahltag gegen die Muslimbrüder und gegen die Unterstützer des Kandidaten Ahmed Schafik. Diesen hatte Mubarak noch kurz vor dem eigenen Rücktritt vom Luftfahrtminister zum Regierungschef befördert.

Die islamistische Muslimbruderschaft organisierte vielerorts Kleinbusse, um Wähler zu den Urnen zu karren. In Alexandria fotografierte ein Reporter der Tageszeitung „Al-Masry Al-Youm“ einen Autobus, der „designierte“ Wähler des früheren Außenministers Amre Mussa zum Wahllokal chauffierte.

Die Muslimbrüder, die im Parlament jetzt schon den Ton angeben, rangen mit dem Umstand, dass ihr wenig charismatischer Kandidat Mohammed Mursi in den Umfragen weit abgeschlagen hinter dem unabhängigen Islamisten und Ex-Muslimbruder Abdel Moneim Abul Futuh rangierte.

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Angst vor Protesten der Islamisten

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