Ägypten im Umbruch
Angst vor dem Bikini-Verbot

Wenige Monate nach der Revolution ist in Ägypten ein erbitterter Machtkampf ausgebrochen: Militärs, Mubarak-Seilschaften, Reformer und Islamisten rangeln um Einfluss. Die Tourismusbranche fürchtet bereits die Folgen.
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Berlin / KairoIn Ägypten vollzieht sich ein erstaunlicher Wandel: Die Regierung hat gerade neben einem Mindestlohn auch einen Maximallohn für Staatsdiener eingeführt. Zugleich neigt sich der Prozess gegen den gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak mit hohem Tempo dem Ende entgegen.

Der Staatsanwalt warf dem Langzeit-Herrscher gestern zu Beginn seines Plädoyers eine „tyrannische Herrschaft“, Machtgier und den „Aufbau eines korrupten Regimes“ vor. Bis zuletzt habe der 83-Jährige versucht, seinen Sohn Alaa als Nachfolger zu inthronisieren.

Dabei habe Mubarak auch das Leben von 850 Menschen geopfert, die im Zuge der Massendemonstrationen im Januar und Februar durch die Gewalt von Sicherheitskräften und Mubarak-Anhängern gestorben seien. Ob Ägyptens oberster Ankläger den Tod durch den Strang als Strafe für Ägyptens einstmals mächtigsten Mann fordern wird, wird er am Donnerstag am Ende seines Plädoyers verraten.

Während Mubarak und seine beiden Söhne hinter Gittern vor ihren Richtern stehen, wählt das Land erstmals frei ein Parlament. Gestern startete die dritte und letzte Runde des Urnengangs für das Unterhaus.

In den ersten zwei Wahlgängen hatten die unter Mubarak weitgehend verbotenen Moslembrüder und die radikal-islamischen Salafisten mehr als 60 Prozent der 498 Mandate geholt. In den jetzt zur Wahl aufgerufenen Wahlkreisen am Roten Meer wird – wie zuvor schon in den Touristenregionen am Mittelmeer – mit einem etwas besseren Abschneiden säkularer und liberaler Parteien gerechnet – etwa dem „Freie Ägypter“-Bündnis des Telekommilliardärs Naguib Sawiris.

Vor allem der Tourismusbranche, Ägyptens größter Devisen-Einnahmequelle und verantwortlich für 12,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, bereitet der bevorstehende Wahlsieg islamischer Parteien eine große Sorge. Der Chef von Ägyptens Tourismusvereinigung, Elamy El-Zajat, kritisiert: „Sie denken nur an Bikini- und Alkoholverbote und getrennte Strände für Männer und Frauen. Das wäre das Aus für ausländischen Tourismus.“

Doch Wirtschaftsminister Mahmoud Eisa wiegelt ab: „Keine Regierung kann in Ägypten ohne die Haupteinnahmen aus dem Tourismus regieren“, sagte Eisa dem Handelsblatt. Deshalb solle man keine allzu große Angst vor Veränderungen durch die Islamisten hegen.

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Angst vor dem Bikini-Verbot

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Widersprüchliche Signale aus der Wirtschaft

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  • Danke, liebes HB

    das genau wollten wir schon immer wissen

    wie wäre es, wenn ihr mal die STASI Vergangenheit von Herrn J. Gauck aufrollt und seinen Privilegien, die er in der DDR hatte.

    J. Gauck durfte jederzeit und frei in den Westen reisen. Was das beudtet, muss ich wohl nicht extra erwähnen??

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