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Ägypten: Mehrheit stimmt offenbar für Mursis Verfassungsentwurf

In Ägypten ist eine Mehrheit für die von den Islamisten vorgelegte neue Verfassung. Von einer Aussöhnung ist das tief gespaltene Land dennoch weit entfernt. Die Muslimbrüder jubeln, die Opposition kündigte Widerstand an.

Wahlhelfer zählen die Stimmen für den neuen Verfassungsentwurf aus. Quelle: dapd
Wahlhelfer zählen die Stimmen für den neuen Verfassungsentwurf aus. Quelle: dapd

KairoZwei Jahre nach dem Sturz des Langzeitpräsidenten Husni Mubarak wird Ägypten auf eine religiösere Basis gestellt. Nach inoffiziellen Ergebnissen hat eine klare Mehrheit von fast zwei Dritteln der Wähler die von den Islamisten geschriebene Verfassung gebilligt. Damit werden künftig die Islamgelehrten an Macht gewinnen und in vielen Lebensbereichen mitbestimmen können.

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Das wichtigste Oppositionsbündnis, die Nationale Rettungsfront, will das Ergebnis der Volksabstimmung anfechten. Die Rettungsfront begründete ihr Vorhaben am Sonntag mit angeblichen Regelverstößen und Betrügereien bei dem Referendum. Gleichzeitig kündigte sie ihre Kandidatur bei der Parlamentswahl an, die binnen zwei Monaten nach dem Referendum stattfinden sollte. Die Muslimbruderschaft bedankte sich dagegen in einer Erklärung beim ägyptischen Wahlvolk.

Wie arabische Medien und die Muslimbruderschaft am Sonntag meldeten, sprachen sich bei dem Referendum insgesamt 64 Prozent der Wähler für den Verfassungsentwurf aus. Am zweiten und letzten Abstimmungstag am Samstag war die Zustimmung erwartungsgemäß noch größer als eine Woche zuvor, weil vermehrt in konservativen ländlichen Gebieten abgestimmt wurde. Dort haben die Religiösen starken Rückhalt, die Präsident Mohammed Mursi zur Macht verholfen hatten, und die Bürger erhoffen sich von einer strengeren Auslegung der Scharia mehr Stabilität.

In der ersten Runde war auch in den Großstädten Alexandria und Kairo gewählt worden, wo Mursis Kritiker ihre Hochburgen haben. Damals lag der Anteil der Befürworter bei 56 Prozent. Diesmal stimmten gut 71 Prozent der Verfassung zu. Nur knapp 29 Prozent hätten mit Nein gestimmt, hieß es unter Berufung auf eine Auswertung der Ergebnisse fast aller Wahllokale.

Von 17 Provinzen votierte in der zweiten Runde demnach nur eine, Menufija im Nildelta, mehrheitlich mit Nein. Dort trauern viele Mubarak nach.

  • 23.12.2012, 10:32 Uhrvandale

    Ich habe ein paar Jahre in der arabischen Welt gelebt, spreche ein wenig Arabisch, verstehe etwas Ägyptisches Arabisch.

    Die Aegpter sind eines der Völker in denen die Religion mehr das Leben bestimmt als in Saudi Arabien, oder die Oekoreligion* das Leben der Deutschen. Selbst Manager die an der amerikanischen Schule/Universität studiert haben geben auf arabisch stolz von sich dass der Islam wichtiger ist als Ägypten. Eine Ägypterin schrieb ein Buch in der sie meinte, dass das Leben einer Frau und ihre Sexualität nicht nur von Gott und Ehemann bestimmt werde. Das Buch schrieb Sie in Englisch und die Vorstellung desselben fand vor einer Gruppe Ausländer wie meiner Wenigkeit und meiner Frau im liberalen Stadtteil Maadi statt. Englisch habe Sie benutzt weil Sie das nicht auf arabisch ausdrücken könne.

    Die meisten Journalisten die nach Ägpten kommen, gehen in die westlichen Stadtviertel Kairos, Heliopolis, Maadi, oder Mohandissin, sehen dort Frauen ohne Kopftuch und hören westliche Meinungen. Das ist jedoch nicht massgeblich für Ägypten. Die Demonstranten die seinerzeit gegen Mubarak demonstrierten vertraten nur eine kleine Minderheit im Volke. Die Islamisten warteten an der Seitenlinie und verhandelten mit dem Militär über die Teilhabe an der Macht.

    Präsident Mubarak und das Militär bildeten bis vor kurzem das wesentliche Gegengewicht zum Islam. Das heisst die Gesetze waren liberal, das Volk sehr gläubig.

    Insofern heisst echte Demokratie in Ägypten eine Islamisierung des Landes. Eine Islamisierung die sich auch gegen die Christen im Lande und sehr gegen ein kleines ungeliebtes Nachbarland richtet.

    Vandale

    *Manchmal bin ich mir da nicht so sicher..wenn man beispielsweise in Freiburg die inbrünstigen Beschwörungen des Atomstrahlenglaubens, Biofutter, oder die Weltuntergangssaga des Klimaschwindels hört.

  • 23.12.2012, 12:12 UhrModernArt

    Die Ägypter müssen damit glücklich werden. Ägypter wird religionsgetrieben intolerant werden und die Verfassung umschreiben. Minderheiten sind "Freiwild" und "religiöse Minderheiten" sowieso; Frauen werden in ihren verfassungsmäßigen Rechten zu einer Fußnote degradiert und zu einer Art Handelsware ab 12 Jahre.

    Das die Verfassung aber von Mehrheit getragen wird ... geht das alles. Es ist aber Ägyptens Aufgabe den eigenen Weg zu finden und auch das ist zu respektieren.

  • 23.12.2012, 12:27 UhrModernArt

    "der Westen" sollte aber Minderheiten aufnehmen und die Asylpolitik darauf sensibilisieren. Wenn Frauen zu einer "bedrohten Art" in Ägypten werden, sollten hier auch Auswanderungsmöglichkeiten geboten werden.

    Der "Protest" kann also still, aber nachhaltig erfolgen. Ägypten wird "arm im Kopf" werden. Eine diktatorische Handlungsweise bringt nie Früchte der Weiterentwicklung zum Tragen.

    "Entwicklungshilfe" sollte nur noch in konkrete Projekte mit klaren Zielen ausgezahlt werden, die auch ethisch mitgetragen werden können. Ziele müssen zudem messbar gestaltet werden und controllt werden. Keine Zielerreichung - keine Folgeprojekte.

    Wenn Touristen als "Minderheiten und Andersgläubige" nicht erwünscht sind, gibt es auch noch andere Länder, die Sonne, Meer und alte Kulturschätze zu bieten haben.

    Mag Ägypten den Weg mehrheitlich mit Bildungsarmut (Bildung ist ja gefährlich), Frauenreduktion auf Mutter und ohne Minderheiten gehen ... man muss das nicht alles gutheißen. Menschen die hierunter zu leiden haben, sollten ausreisen dürfen.










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