Ägypten
Muslimbrüder rufen zu täglichen Protesten auf

Eine Welle der Gewalt ist auch am Freitag durch Ägypten geschwappt. Die Muslimbruder wollen nun eine Woche lang auf die Straße gehen. Die Politiker des Westens sind machtlos – deutsche Konzerne stellen ihre Arbeit ein.
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KairoDer von Islamisten ausgerufene „Freitag der Wut“ hat in Ägypten eine neue Eskalation der Gewalt heraufbeschworen. Mindestens 83 Menschen starben nach Angaben aus Sicherheitskreisen bei landesweiten Straßenkämpfen zwischen Demonstranten und der Polizei. Etwa 300 weitere wurden verletzt.

Die Muslimbruderschaft rief am Freitag außerdem zu weiteren Protesten gegen die Regierung und das Militär auf. Die Gruppe forderte die Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi auf, täglich zu demonstrieren. Damit könnten die Unruhen noch viele Tage andauern und das Land tiefer ins Chaos stürzen.

Der Westen zeigt sich schockiert vom blutig ausgetragenen Konflikt zwischen den entmachteten Islamisten und den neuen Machthabern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will die Beziehungen zu dem Land auf den Prüfstand stellen. Sie forderte nach einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten François Hollande ein Ende des Blutvergießens.

Wegen der Unruhen verschärfte das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für das Land. Neu ist, dass nun auch von Reisen in die Urlaubsgebiete am Roten Meer um Hurghada und Scharm el Scheich abgeraten wird. Vor Reisen etwa nach Kairo oder ins Nildelta wurde bereits zuvor „dringend abgeraten“. Die meisten deutschen Veranstalter sagten bis Mitte September alle Reisen in das Land ab. Auch viele andere EU-Länder reagierten mit Reisewarnungen.

Zu den Protesten nach den Freitagsgebeten hatten die islamistische Muslimbruderschaft und verschiedene radikale Islamisten-Parteien aufgerufen. Zehntausende Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi, der aus der Muslimbruderschaft stammt, gingen auf die Straße und schrien ihre Wut über das Blutvergießen in ihren Protestlagern heraus. Trotz der Eskalation riefen die Muslimbrüder zu weiteren Demonstrationen auf. Für eine Woche solle es täglich landesweit Proteste geben, bis der gestürzte Mursi wieder eingesetzt werde, erklärten die Islamisten am Freitagabend.

Die ägyptischen Sicherheitskräfte haben am Freitagabend eine Moschee mit Anhängern von Mursi eingekesselt. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, das Feuer eröffnet zu haben, wie die Sicherheitskräfte und die Islamisten mitteilten. Belagert wurde die Moschee Al-Fath im Kairoer Bezirk Ramsis. Dort haben die Islamisten eine notdürftige Leichenhalle eingerichtet, mindestens 20 getötete Menschen wurden dort aufgebahrt.

Der seit Wochen schwelende Machtkampf zwischen Islamisten und Mursi-Gegnern war am Mittwoch eskaliert, als Sicherheitskräfte zwei zentrale Camps der Muslimbrüder in Kairo gewaltsam geräumt hatten. Das Vorgehen der Polizei und anschließende Angriffe von Islamisten forderten bislang etwa 600 Todesopfer. Die Islamisten pochen auf die Wiedereinsetzung Mursis, der seit seiner Absetzung durch die Armee am 3. Juli an einem geheimen Ort festgehalten wird.

Die meisten Opfer gab es am Freitag am Rande der zentralen Kundgebung am Ramses-Platz in der Innenstadt von Kairo. Dort hatten sich etwa 20.000 Islamisten und deren Anhänger versammelt. Der Muslimbruderschaft zufolge erschoss die Polizei hier 45 Demonstranten. Beamte des Innenministeriums erklärten hingegen, Dutzende Demonstranten hätten die nahe gelegene Ezbekija-Polizeistation attackiert. Daraufhin sei ein Feuergefecht entbrannt, bei dem mehrere unbeteiligte Zivilisten getötet worden seien. Am Abend nahm die Polizei nach eigenen Angaben Extremisten fest, die in ihren Autos Waffen zum Ramses-Platz bringen wollten.

Experten befürchten, dass die Lage weiter eskalieren könnte. Denn die Polizei hat Order, mit scharfer Munition auf Plünderer und Saboteure zu schießen. In mehreren Landesteilen gilt der Notstand. Auch die Verhaftungswelle von hochrangigen Mitgliedern der Muslimbruderschaft geht weiter. Dem Nachrichtenportal youm7 zufolge wurden vor Beginn der Proteste am Freitag vier führende Muslimbrüder festgesetzt.

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  • @Freidenker

    Beim lesen Ihrer Beiträge stellt sich mir eine Frage an Sie: "Sehen Sie sich mehr als Fanatiker oder friedliebender Muslim?"

    Da Ihre Beiträge in Diktion und Ductus einen falschen Eindruck vermitteln könnten, bitte ich diesbezüglich um ein klärendes Wort Ihrerseits.

  • Sie sprechen meine Sprache - da geht es einem gleich viel besser, zu wissen, dass man nicht allein als Mahner in der Wüste steht. Danke für diesen Beitrag.

  • Kriegen Sie mal Ihren Arsch hoch und versuchen Sie durch Arbeit Ihren lebensunterhalt zu verdienen. Schmarotzer wie Sie muss ich mit meinen 10 Stunden Arbeitstagen durchfüttern. Ich könnte kotzen, wenn ich Ihr dumm blödes Geschribsel lesen muss. Hören Sie mir bloß auf, das Klagelied der Armut von Hartz IV Empfängern vorzusingen.
    Sie scheinen wirklich selten dämlich zu sein.

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