Ägypten
USA und Frankreich fordern Neuwahlen

Die Gewalteskalation in Ägypten hat international Bestürzung ausgelöst. Außenminister Westerwelle bestellte den ägyptischen Botschafter ein, die USA und Frankreich drängen auf Neuwahlen. Der Papst betet für Frieden.
  • 4

BerlinEinen Tag nach den blutigen Unruhen in Ägypten mit mindestens 525 Toten haben die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi neue Proteste angekündigt. Für die nächsten Tage riefen die Muslimbrüder, zu denen auch Mursi gehört, zu Großdemonstrationen auf. Am Donnerstag stürmten wütende Islamisten zwei Gebäude der Regionalverwaltung in Giseh und setzten sie in Brand.

Die Häuser mit zwei und vier Stockwerken an der Straße zu den Pyramiden nahe des Nils standen nachmittags in Flammen. Fernsehbilder zeigten, wie die Feuerwehr Angestellte in Sicherheit brachte. In der ägyptischen Hauptstadt selbst blieb es nach den blutigen Zusammenstößen am Vortag jedoch zunächst ruhig. Viele Bürger blieben offenbar aus Angst zu Hause. Banken und die Börse waren geschlossen.

Am Mittwoch waren bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Mursi-Anhängern jüngsten Angaben des Gesundheitsministeriums zufolge mindestens 525 Menschen getötet worden, 202 davon bei der Räumung des Protestlagers im Stadtteil Nasr City. Zudem wurden mehr als 3717 Menschen verletzt, wie ein Ministeriumssprecher sagte.

US-Präsident Barack Obama wollte am Donnerstag an seinem Urlaubsort auf der Insel Martha's Vineyard im US-Staat Massachusetts eine Erklärung zur Eskalation der Gewalt in Ägypten abgeben. Das Chaos in Ägypten wird in aller Welt mit Sorge gesehen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Er verurteilte die Räumungsaktion der Polizei als Massaker.

Der ägyptische Botschafter in Deutschland ist am Donnerstag ins Auswärtige Amt einbestellt worden. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, auf Veranlassung von Minister Guido Westerwelle (FDP) sei Mohamed Abdelhamid Ibrahim Higazy die Haltung der Bundesregierung zu den Geschehnissen in Ägypten „in aller Deutlichkeit“ dargelegt worden. Westerwelle hatte am Mittwoch ein sofortiges Ende der Gewalt und einen umfassenden politischen Dialog gefordert. Im Auswärtigen Amt trat der Krisenstab zusammen.

Auch die Europäische Union verurteilte die Gewalt aufs Schärfste. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat wegen der Zuspitzung der Lage in Ägypten eine Sitzung des Weltsicherheitsrates gefordert. Den ägyptischen Sicherheitskräften warf er am Donnerstag erneut vor, beim gewaltsamen Vorgehen gegen Protestlager der Muslimbrüder in Kairo Massaker begangen zu haben.

„Wenn der Westen nun keine entschiedenen Schritte unternimmt, wird die Demokratie weltweit in Frage gestellt“, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den islamisch-konservativen Politiker. Wer schweige und gleichgültig bleibe, mache sich mitschuldig, sagte er.

Auch in Frankreich wurde der ägyptische Botschafter einbestellt. Präsident François Hollande erklärte, es müsse alles getan werden, „um einen Bürgerkrieg“ zu vermeiden. Auch er drang darauf, so bald wie möglich Neuwahlen abzuhalten.

Kommentare zu " Ägypten: USA und Frankreich fordern Neuwahlen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mit Faschisten kann man nicht verhandeln

  • USA und Frankreich fordern Neuwahlen
    -----------
    Und schwups sind damit die Muslimbrüder verschwunden?

    Der aufgeklärte Teil,will sich nicht mehr gängeln
    lassen.
    Ich habe was dagegen,wenn Mädchen die dort zur Welt
    kommen,sich dem islamischen Diktat beugen müssen.
    Wer selbst eine Tochter hat,wird meine Einstellung teilen.
    Man kann diese Brüder nicht mehr machen lassen,mit
    Frauen und Kinder,wie sie es vorgeben.
    Also sollte man sich dort einmischen,wo Aufklärung
    mehr als Not tut...Im Namen der Kinder.

  • Nö. Schuld ist Facebook. Dadurch konnten sich die ganzen LEute erst zusammenrotten und organisieren.
    ICh glaube die USA beissen sich in den Hintern, dass die in den IRak gegangen sind. nur 4 Jahre und die ganze Sache hätte sich auch von selbst erlädigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%