Ägyptens Botschafter verschwunden
Irak kommt nicht zur Ruhe

Am Wochenende sind im Irak bei Anschlägen und Überfällen erneut mehr als 50 Menschen getötet worden. Unter den Opfern sind zahlreiche Polizisten. Das ägyptische Außenministerium berichtete unterdessen, Kairos Botschafter Ihab al-Scharif sei in Bagdad verschwunden. Inoffiziell hieß es, Al-Scharif sei wahrscheinlich entführt worden.

HB BAGDAD. Unterdessen sieht sich die US-Armee neuen Vorwürfen ausgesetzt. Der irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York, Samir Sumaidaie sagte der „New York Times“, US-Soldaten hätten seinen 21 Jahre alten Neffen Mohammed vergangene Woche bei einer Razzia im westirakischen Haditha „kaltblütig“ ermordet. Mohammed habe die Soldaten, die „vermutlich auf der Suche nach Waffen und Terroristen“ in das Haus eindrangen, in das elterliche Schlafzimmer geführt, um ihnen ein nicht geladenes Gewehr zu übergeben. Eine Stunde später hätten die Militärs das Haus „grinsend“ wieder verlassen. Der junge Mann lag im Schlafzimmer tot in einer Blutlache.

Das Schweizer Außenministerium bestätigte unterdessen, dass ein Schweizer, der auch einen irakischen Pass besaß, vergangene Woche von US-Soldaten erschossen wurde. Die Soldaten hätten auf seinen Wagen gefeuert, als er an einem Konvoi vorbeifahren wollte.

In Bagdad zündete ein Selbstmordattentäter am Samstag vor einer Polizeistation inmitten einer Gruppe von Rekruten einen Sprengstoffgürtel. Nach Angaben des staatlichen Rundfunks riss er 20 Menschen mit in den Tod, zwei Dutzend wurden verletzt. Wenige Stunden später sprengte sich ein Mann in seinem Auto in Mahmudija südlich von Bagdad an einer Polizeisperre in die Luft. Dabei tötete er fünf Menschen, vor allem Zivilisten.

In den nördlichen und westlichen Stadtteilen der irakischen Hauptstadt waren am Wochenende Mill. Menschen ohne Wasser. Rebellen hatten eine Elektrizitätsstation zerstört, die ein großes Wasserwerk versorgt. Nach Angaben der Behörden könnte es bis Anfang der Woche dauern, den Schaden zu reparieren.

In Hilla rissen zwei Selbstmordattentäter am Samstagabend an einer Straßensperre zwölf Iraker mit in den Tod, darunter neun Polizisten. Wie die Polizei am Sonntag berichtete, brachten die Terroristen im Abstand von vier Minuten zwei Autobomben zur Explosion. 40 Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Bei mehreren anderen Anschlägen und Kämpfen im Irak starben mindestens elf Menschen.

Die Londoner Regierung zeigte sich am Sonntag besorgt über Berichte, wonach paramilitärische Kommandos im Auftrag der irakischen Regierung ein ganzes Netz geheimer Gefängnisse geknüpft hätten, in denen Verdächtige gefoltert würden. Die Kommandos würden teilweise mit amerikanischen und britischen Hilfsgeldern finanziert, berichtete „The Observer“.

Am Wochenende traf US-Justizminister Alberto Gonzales zu einem Überraschungsbesuch im Irak ein. Nach Angaben seines Ministeriums wollte er mit irakischen Regierungsmitgliedern zusammentreffen.

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