Ägyptischer Präsident
Spekulationen über Mubarak-Nachfolger

Er ist 81 Jahre alt, regiert seit fast drei Jahrzehnten – doch die Nachfolge hat er nicht geregelt. Präsidentensohn Gamal und Geheimdienstminister Suleiman gelten als heiße Kandidaten – doch auch das Militär spielt eine entscheidende Rolle beim Rennen um das höchste Staatsamt.

KAIRO. Dass der ägyptische Präsident seine Macht niemandem abtreten will, sorgt bei Ägyptern für große Unsicherheit und animiert sie zu Witzen. Hosni Mubarak, lautet eines der zahlreichen Bonmots, liegt auf dem Sterbebett, und ein Berater sagt ihm, das Volk sei gekommen, um sich von ihm zu verabschieden. „Ach wirklich,“ gibt Mubarak zurück, „wohin wollen die Menschen denn gehen?“

Derweil gibt es in Ägypten neue Spekulationen über die ungeklärte Nachfolge des Langzeitpräsidenten. Denn Hosni Mubarak nahm seinen Sohn Gamal auf die strategisch wichtige Reise in die USA mit. Ägypten gilt als wichtiger Partner der Vereinigten Staaten im Nahen Osten. Beobachter in Kairo sehen in der Mitnahme Gamals ein Anzeichen dafür, dass Husni Mubarak die Führung in Washington dezent auf seinen möglichen Nachfolger einstimmen will. An diesem Dienstag ist ein Treffen mit Präsident Barack Obama in Washington geplant.

Der Präsidentensohn ist zwar als Chef des politischen Strategiekomitees der National-Demokratischen Partei (NDP) der dritthöchste Funktionär der Herrschaftspartei, übt aber kein Regierungsamt aus. Die nächsten Präsidentschaftswahlen sind erst 2011. Aber wegen des vorgerückten Alters des Rais (Präsidenten) beschäftigen sich die Ägypter intensiv mit dem Thema. Seit Monaten zirkulieren Gerüchte darüber, dass Mubarak’s Gesundheit schwer angeschlagen sei. Nach dem Tod seines Enkels erhielten die Spekulationen neuen Auftrieb, weil sich Mubarak vorübergehend nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken ließ. Er sagte sogar einen Antrittsbesuch im Weißen Haus ab und schickte stattdessen eine Abordnung von Ministern.

Die Nachfolge des Präsidenten sei in der Verfassung geregelt, hebt der Politologe Gehad Auda hervor. Falls der Amtsinhaber vorzeitig sterbe, übernehme der Parlamentspräsident bis nach den Neuwahlen das höchste Amt im Staat. In diesem Vakuum gelten als aussichtsreichste Anwärter auf den Thron der Präsidentensohn Gamal und Geheimdienstminister Omar Suleiman. Gamal, gelernter Investmentbanker, soll vor allem die Wirtschaftsreform im Land vorantreiben, und ist dazu innerhalb der Regierungspartei von seinem Vater mit einer ansehnlichen Machtbasis ausgestattet worden.

Der ehemalige Banker hat deshalb in der National Democratic Party (NDP) Macht und Einfluss akkumulieren können. Doch ein wesentliches Hindernis belastet seine Aussichten, die Nachfolge seines Vaters antreten zu können. Ihm mangelt es an Militärerfahrung und deshalb auch an einem Beziehungsnetz zu Offizieren. Entscheidend für Gamals Aussichten sei deshalb der Zeitpunkt der Ernennung. Es wäre für den 46-jährigen Gamal leichter, die Macht zu übernehmen, wenn er das zu Lebzeiten seines Vaters tun könnte. Bisher hat Gamal aber darauf verzichtet, seine Kandidatur offiziell anzukündigen. „Ohne Ritterschlag des Vaters wird er es nicht schaffen,“ schätzt ein Diplomat.

Seite 1:

Spekulationen über Mubarak-Nachfolger

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%