Ähnlichkeit mit Attentaten von Bali
Jemaah Islamiah bekennt sich zu Anschlag in Jakarta

Zu dem Bombenanschlag auf ein Hotel in der indonesischen Hauptstadt Jakarta hat sich nach Medienberichten vom Mittwoch die radikal-islamische Gruppe Jemaah Islamiah bekannt. Nach Polizeiangaben wurden zehn Menschen getötet und 150 verletzt; zuvor war von 16 Toten die Rede gewesen. Das Attentat von Dienstag ähnele den Anschlägen von Bali im Oktober, die der Gruppe zugeschrieben werden.

Reuters JAKARTA. Der Anschlag ereignete sich nur zwei Tage vor dem für Donnerstag erwarteten ersten Urteil im Fall der Bali-Anschläge, bei denen 202 Menschen getötet worden waren. Die indonesische Regierung sieht das Land im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Gleichwohl erwarten Analysten nur geringe Auswirkungen des Anschlages auf Indonesiens Wirtschaft. Die in Singapur erscheinende Zeitung „Straits Times“ sei nur vier Stunden vor dem Anschlag von einem Mitglied der Jemaah Islamiah (JI) angerufen worden, berichtete die Tageszeitung. Der Anrufer habe seine Identität nicht preisgeben wollen, teilte der Jakarta-Korrespondent Derwin Pereira Reuters in einer E-Mail mit. Es sei aber derselbe Mann gewesen, der im Juli die Zeitung über Pläne für einen großen Anschlag in Indonesien in diesem Monat informiert habe.

Der Anrufer habe die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri und ihre Politik gegenüber den Moslems verurteilt, sagte der Korrespondent. „Er sagte, die Explosion sei eine 'blutige Warnung' der JI an ihre Regierung davor, gegen JI-Mitglieder im Land vorzugehen“, so Pereira. Der Anrufer wurde zitiert mit den Worten: „Wenn sie (die Regierung) auch nur einen unserer moslemischen Brüder hinrichten, werden wir diesen Terror-Feldzug in Indonesien und der Region fortsetzen.“

Der Internationale Terrorismus ist die Bedrohung

Am Donnerstag wird das erste Urteil im Bali-Prozess gegen 30 mutmaßliche JI-Mitglieder erwartet; ihnen droht die Todesstrafe. Einer der Hauptverdächtigen, Imam Samudra, begrüßte den jüngsten Anschlag. „Ich bin glücklich. Gott sei noch mehr Dank, wenn diejenigen, die das getan haben, Moslems waren“, sagte Samudra beim Verlassen des Gerichts in Bali. „Zur Hölle mit Australien.“ Bei den Anschlägen auf Bali waren vor allem australische Touristen getötet worden. Australiens Ministerpräsident Alexander Downer sagte, er sei besorgt über die Gewalt in Indonesien. „Es könnte einen weiteren Terroranschlag in den nächsten Tagen geben“, sagte Downer.

Der indonesische Minister für innere Sicherheit, Susilo Bambang Yudhoyono, sagte, die eigentliche Bedrohung für sein Land seien weniger die örtlichen Zellen extremistischer Vereinigungen, sondern der internationale Terrorismus. Deshalb sei eine engere internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung des Terrorismus dringend notwendig.

Die Polizei veröffentlichte ein Phantombild von einem Verdächtigen, der das bei dem Anschlag eingesetzte Auto gekauft haben soll. Der Chef der Ermittler, Erwin Mappaseng, sagte, wie auf Bali sei auch in Jakarta eine Mischung aus Schwarzpulver und hochexplosivem TNT verwendet worden. Die Vorgehensweise und das benutzte Material seien ähnlich gewesen. Es sei aber noch nicht sicher, ob Jemaah Islamiah hinter dem Anschlag stecke.

"Wir haben das erwartet"

„Es gab Informationen darüber, dass Sprengstoff nach Jakarta gebracht wurde und (...) Informationen im strategischen Bereich“, sagte Polizeisprecher Prasetyo und verwies auf Razzien in Java im Juli, bei denen 1200 Zünder und 900 Kilogramm Kaliumchlorid sichergestellt wurden. Dabei waren auch mehrere mutmaßliche Mitglieder der Jemaah Islamiah festgenommen worden. „Wir haben das erwartet, auch beim Marriott-Hotel, wo wir die Sicherheitsvorkehrungen erhöht haben“, sagte Prasetyo. „Aber das Problem ist, dass das Auto (...) explodierte, bevor es die gesicherte Parkzone erreichte.“

Analysten rechneten trotz des Anschlags mit einem weiteren Wachstum der indonesischen Wirtschaft in diesem Jahr. Die Inflation werde annehmbar bleiben, sagte ein Analyst. Zwar würden die Investitionen aus dem Ausland betroffen sein, allerdings seien diese seit Jahren sehr schwach. Eine Schwächung der Finanzmärkte werde wohl eher kurzlebig sein, sagten Analysten.

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