Äthiopien erklärt Islamisten den Krieg
Kämpfe in Somalia eskalieren

Äthiopien hat den in Somalia aktiven Muslim-Extremisten, die auch Mogadischu kontrollieren, offiziell den Krieg erklärt. Dies diene der Verteidigung der Souveränität Äthiopiens, erklärte Ministerpräsident Meles Zenawi. In Somalia liefern sich Soldaten der Übergangsregierung und islamistische Milizen seit rund einer Woche erbitterte Kämpfe.

HB MOGADISCHU. Die äthiopische Luftwaffe griff am Montag erneut in die Kämpfe ein und attackierte unter anderem den internationalen Flughafen der früheren Hauptstadt Mogadischu. Von äthiopischen Panzer- und Artillerieeinheiten unterstützte somalische Truppen gingen gegen Rebellen der Bewegung der islamischen Gerichte vor.

Beobachter äußerten die Ansicht, das Eingreifen Äthiopiens habe den Vormarsch der Rebellen gestoppt und die in Baidoa eingeschlossene Übergangsregierung davor bewahrt, überrannt zu werden. Die somalische Regierung verkündete die Schließung aller Grenzen, was wegen ihrer Schwäche jedoch nur symbolische Bedeutung hat. Äthiopien begründete mit der Grenzschließung den Luftangriff auf den Flughafen Mogadischu. Dort hätten Kämpfer der Rebellen darauf gewartet, ausgeflogen zu werden. Ein Sprecher der somalischen Regierung hieß die Luftangriffe gut, die sich auch gegen einen großen Militärflughafen gerichtet hätten.

Äthiopiens Regierungschef Meles Zenawi sagte am Sonntag in einer Fernsehansprache, sein Land sei angesichts der anhaltenden Kämpfe gezwungen, in den Konflikt einzugreifen. Ziel des Militäreinsatzes sei es, die nationale Souveränität Äthiopiens zu verteidigen. Meles ließ offen, wann sich seine Truppen aus Somalia zurückziehen würden. „Unsere Verteidigungseinheiten werden abgezogen, sobald sie ihren Auftrag erfüllt haben.“

Äthiopiens Informationsminister Berhan Hailu erklärte, die Angriffe richteten sich gegen mehrere Fronten der Islamisten nahe des Sitzes der umzingelten Übergangsregierung in der Provinzstadt Baidoa. Bereits am Sonntag hatte die äthiopische Luftwaffe erstmals in die Kämpfe eingegriffen.

Äthiopien unterstützt die international anerkannte Regierung Somalias gegen die Bewegung der islamischen Gerichte, die Mogadischu und weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hat. Die Islamisten werden wiederum von Äthiopiens Erzfeind Eritrea unterstützt. Bei den Kämpfen wurden nach übereinstimmenden Angaben beider Seiten hunderte Menschen getötet. Aus neutraler Quelle liegen Angaben über Tote nicht vor.

Die EU forderte ein sofortiges Ende der ausufernden Kämpfe. Äthiopien müsse seine Luftangriffe einstellen, verlangte die EU am Sonntag. Die Islamisten müssten ihrerseits die Angriffe auf Truppen der somalischen Übergangsregierung stoppen. Zu der Einmischung Äthiopiens in den Konflikt sagte Schwedens Außenminister Carl Bildt: „Es besteht die Gefahr, dass sich der Bürgerkrieg in Somalia zu einem regionalen Krieg entwickelt.“ Eine militärische Eskalation müsse daher unbedingt verhindert werden.

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