Äthiopien wählt Parlament
„Wir wollen endlich eine echte Demokratie“

Wahl am Horn von Afrika: Mit großem Andrang wählt Äthiopien ein neues Parlament. 58 Parteien stehen zur Wahl. Noch sind die Ergebnisse nicht bekannt – doch ein Sieg der Regierungspartei EPRDF gilt als sicher.
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Addis AbebaIm ostafrikanischen Äthiopien haben am Sonntag Parlamentswahlen begonnen. In dem nach Nigeria bevölkerungsreichsten Land Afrikas sind laut Wahlbehörde 36,8 Millionen Wähler registriert. In der Hauptstadt Addis Abeba war der Andrang in den meisten Wahllokalen am frühen Morgen groß. Es sind die ersten Wahlen seit dem Tod des langjährigen Herrschers Meles Zenawi vor drei Jahren. Ein Sieg der nun von Meles' Nachfolger Hailemariam Desalegn geführten Regierungskoalition Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker (EPRDF) wurde erwartet.

Zumindest in der Hauptstadt deutete sich eine rege Wahlbeteiligung an. Vor Wahllokalen auf dem Campus der Universität bildeten sich lange Schlangen von Wählern. Landesweit gab es mehr als 45 000 Wahllokale. Die Abstimmung wurde von fast einer Viertelmillionen Beobachtern überwacht. Die Wahlkommission erwartet vorläufige Ergebnisse in einer Woche. Das amtliche Endergebnis soll am 22. Juni verkündet werden.

In dem armen Land am Horn von Afrika ist seit 24 Jahren die Partei EPRDF an der Macht. Kritiker werfen der Regierung vor, die Opposition zu unterdrücken. Politisch Andersdenkende und regierungskritische Journalisten werden häufig inhaftiert. 2010 hatte die Partei 99,6 Prozent der Parlamentssitze gewonnen – die Opposition bekam nur einen einzigen Sitz.

„Wir wollen endlich eine echte Demokratie“, sagte der Geschäftsmann Ermias beim Verlassen eines Wahllokals im Zentrum von Addis Abeba. Für wen er gestimmt hat, wollte er nicht verraten. Insgesamt stellen sich 58 Parteien zur Wahl, aber ein haushoher Sieg der EPRDF galt bereits im Vorfeld als sicher. Beobachter rechnen mit einer hohen Wahlbeteiligung.

Bei der letzten Wahl vor fünf Jahren zog nur ein Oppositionskandidat in das Parlament mit 547 Abgeordneten ein. Die EPRDF gewann 99,6 Prozent der Mandate. Wahlbeobachter hatten 2010 eine Einschüchterung und Schikanierung von Oppositionskandidaten kritisiert. Dieselben Vorwürfe wurden auch vor dieser Wahl erhoben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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