Affäre Hildebrand
Staatsanwälte weiten Strafverfahren aus

Die Affäre um den zurückgetretenen Chef der Schweizer Notenbank weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen zwei Lokalpolitiker eröffnet, die vertrauliche Bankdaten weitergereicht haben sollen.
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ZürichDie Affäre um Devisenspekulationen des inzwischen zurückgetretenen Schweizer Notenbankchefs Philipp Hildebrand zieht weitere juristische Kreise. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich eröffnete am Freitag ein Strafverfahren gegen zwei Mittelsmänner, die vertrauliche Bankdaten weitergereicht haben sollen. Die Staatsanwälte untersuchen, ob die Lokalpolitiker Hermann Lei und Claudio Schmid damit das Bankgeheimnis verletzten. Gegen den ehemaligen Informatik-Mitarbeiter der Bank Sarasin, der Belege der Transaktion fotografiert und Lei zugänglich gemacht hatte, läuft bereits ein Strafverfahren.

Die Ausweitung des Verfahrens stütze sich auf Abklärungen der Staatsanwaltschaft sowie eine Strafanzeige der Bank Sarasin.

Die Behörden hätten Lei und Schmid befragt und diverse Hausdurchsuchungen vorgenommen. Festnahmen seien nicht erfolgt. Als Auskunftsperson wurde auch der Spitzenpolitiker Christoph Blocher befragt. Medienberichten zufolge hat Lei Dokumente zu der Transaktion an Blocher weitergereicht, der dann die Schweizer Regierung informierte. Blocher ist Vordenker der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) und hatte Hildebrand wiederholt zum Auftritt aufgefordert. Auch Lei und Schmid sind SVP-Mitglieder.

Kritiker hatte Hildebrand und seiner Frau Insidergeschäfte vorgeworfen. Die aus den USA stammende Kashya Hildebrand hatte in einer Zeit Dollar gekauft und verkauft, als die SNB versuchte, eine Abwertung des Schweizer Frankens herbeizuführen. Hildebrand war zurückgetreten, weil es ihm nicht möglich war zu beweisen, dass seine Frau ohne sein Wissen die Devisentransaktionen veranlasst hatte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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