Affäre Litwinenko
Brown wettert kräftig gegen Russen

Die Stimmung zwischen London und Moskau hat sich am Montag weiter aufgeheizt. Der britische Premier Gordon Brown reagierte reichlich ungehalten auf die Kreml-Vorwürfe. Er forderte erneut die Auslieferung des mutmaßlichen Litvinenko-Mörders – und machte klar, was er derzeit von Russlands Machthabern hält.

HB MOSKAU. Der britische Premierminister Gordon Brown bezeichnete das Verhalten Russlands in der Affäre Litwinenko als „nicht hinnehmbar“. „Wir können eine Situation nicht dulden, in der es nicht nur offensichtlich ist, dass ein Mensch ermordet wurde, sondern zahlreiche andere einem Risiko ausgesetzt wurden“, sagte Brown in London. Es sei „sehr wichtig“, dass die Welt den Ernst der Lage erkenne.

Russland und Großbritannien streiten seit Wochen um die Auslieferung Andrej Lugowois. Dieser soll den Ex-Agenten Alexander Litwinenko nach Auffassung der britischen Staatsanwaltschaft im November in London mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet haben. In Folge des Streites haben beide Länder Diplomaten ausgewiesen.

„Wir wollen, dass die russischen Behörden ihre Verantwortung anerkennen, den von der Staatsanwaltschaft identifizierten russischen Bürger auszuliefern“, sagte Brown weiter. Der Verdächtige habe vermutlich nicht nur einen Menschen umgebracht, sondern auch viele Unschuldige dabei gefährdet. Die russische Regierung weigert sich jedoch weiterhin, Lugowoi auszuliefern. Das widerspreche der russischen Verfassung, heißt es.

Der britische Botschafter in Moskau sagte dagegen am Montag, es sei durchaus möglich, Lugowoi an Großbritannien auszuliefern. Die Begründung der Russen, dass die Verfassung eine Auslieferung russischer Staatsbürger verbiete, sei nicht hinreichend. Er forderte dazu auf, angesichts der Schwere und Einzigartigkeit des Falles „kreativ zusammenzuarbeiten, um eine Lösung zu finden, dieses Verfassungsverbot zu umgehen“. Auch andere Verfassungsbestimmungen würden in Russland immer wieder umgangen, sagte der Botschafter in einem Interview der Nachrichtenagentur Interfax.

Der stellvertretende russische Generalstaatsanwalt verteidigte unterdessen die Weigerung, Lugowoi auszuliefern. Die Briten hätten keine ausreichenden Beweise für seine Schuld geliefert. „Die russische Seite hat mehr Grund an der Objektivität des britischen Rechtssystems zu zweifeln“, erklärte Alexander Zwyaginzew. Sollten genügend Beweise vorliegen, könne Lugowoi in Russland der Prozess gemacht werden. Großbritannien lehnt dies ab.

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