Affäre um Italiens Notenbankchef
EZB begrüßt Fazios Abtritt

Der Rücktritt des Chefs der Banca d’Italia, Antonio Fazio, wird von allen Seiten begrüßt. Die Regierung hatte Fazio schon wiederholt zum Rücktritt aufgefordert. Ihm wird unter anderem Parteilichkeit, Amtsmissbrauch und Insiderhandel vorgeworfen.

MAILAND. Der Rücktritt des Chefs der Banca d’Italia, Antonio Fazio, wird von allen Seiten begrüßt. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ gestern wissen, dass sie die Entscheidung Fazios vollauf respektiere und dass es die beste Entscheidung „im höchsten Interesse Italiens und der Banca d’Italia“ sei. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi sprach von einer „Geste des Verantwortungsbewusstseins“, die ihn jedoch nicht überrascht habe. „Ich habe keinen Zweifel an der Redlichkeit“ Fazios, aber angesichts der jüngsten Ereignisse sei der Rücktritt nötig gewesen, sagte er . Oppositionsführer Romano Prodi nannte den Rücktritt einen „Pflichtakt, der seit langem erwartet wurde“.

Die Regierung hatte Fazio schon wiederholt zum Rücktritt aufgefordert. Fazio war seit 1993 Chef der Bank von Italien und auf Lebenszeit ernannt worden. Ihm wird unter anderem Parteilichkeit, Amtsmissbrauch und Insiderhandel vorgeworfen. Er soll versucht haben, die Übernahme von Antonveneta durch die niederländische ABN Amro zu verhindern.

Wer Nachfolger Fazios an der Spitze der italienischen Zentralbank wird, ist nach Aussagen Berlusconis noch nicht entschieden. Er werde jedoch „eine Einigung mit der Opposition“ suchen. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten der Goldman-Sachs-Banker Mario Draghi und Tommaso Padoa-Schioppa, der bis Juni dieses Jahres Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) war. Aber auch seinem Nachfolger im EZB-Direktorium, Lorenzo Bini Smaghi, und dem ehemaligen EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti werden Chancen eingeräumt. Das Gleiche gilt für den Staatssekretär im Finanzministerium, Vittorio Grilli, den gegenwärtigen Vizechef der Banca d’Italia, Vincenzo Desario, den früheren Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister, Giuliano Amato, und den Volkswirtschaftsprofessor Alberto Quadrio Curzio.

Fazio hat mit seinem parteilichen Verhalten in den Übernahmekämpfen um die Banca Antonveneta und die Banca Nazionale del Lavoro (BNL) dem Ansehen der Zentralbank erheblichen Schaden zugefügt. Mit seinem Rücktritt kam er seiner bevorstehenden Entmachtung nur zuvor. Denn für heute waren sowohl ein außerordentlicher Ministerrat als auch ein Treffen des Aufsichtsgremiums der Zentralbank, dem Consiglio Superiore der Banca d’Italia, geplant. Im Consiglio Superiore, dem einzigen Gremium, das den Zentralbankchef formal zum Rücktritt zwingen kann, hatte sich zuletzt eine Mehrheit gegen Fazio abgezeichnet.

Der Ministerrat soll dagegen heute die endgültige Reform der Banca d’Italia vorlegen, die noch diese Woche im Eilverfahren verabschiedet werden sollte. Denn die Regeln geben dem Zentralbankchef bisher außergewöhnlich viel Macht und haben das Agieren Fazios zumindest großenteils ermöglicht. Die Regierung will vor allem die Amtszeit des Gouverneurs der Banca d’Italia befristen. Bisher wurde der Zentralbankchef ohne zeitliche Befristung und ohne Altersgrenze ernannt. Der 69-jährige Fazio war seit 1993 Chef der Banca d’Italia.

An Mailands Börse stiegen gestern die Bankaktien, da Investoren davon ausgehen, dass ein neuer Zentralbankchef Übernahmen in Italien eher erlauben und damit ein Fusionskarussell in Gang bringen könnte.

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