Affäre um Senatorenposten
Korruptionsskandal wirft Schatten auf Obama

Was ist das Amt eines US-Senators wert? Ziemlich viel, geht es nach dem Gouverneur von Illinois, Rod Blagojevich, der den Posten in seinem Staat meistbietend verschachern wollte. Doch das FBI kam ihm auf die Schliche. Jetzt wird auch der Druck auf den designierten US-Prasidenten Obama immer größer. Was wusste er?

WASHINGTON. Zwei Eigenschaften zeichneten das Team von Barack Obama bisher aus: Es ist diszipliniert – und agiert fast fehlerlos. Doch der Skandal um den unter Korruptionsverdacht stehenden Gouverneur von Illinois, Rod Blagojevich, droht erstmals einen Schatten auf dieses Bild zu werfen. In einer E-Mail musste Obamas Chefstratege David Axelrod nun offen Fehler einräumen. Obama habe mit Blagojevich niemals über die Besetzung seines frei gewordenen Senatssitzes gesprochen, erklärte Axelrod. Noch vor wenigen Wochen jedoch hatte der 53-Jährige in einem Interview das Gegenteil behauptet. „Ich lag falsch“, sagt der Berater heute.

Rod Blagojevich war am Dienstag wegen Korruptionsverdacht verhaftet worden, wurde aber gegen Zahlung einer Kaution von 4 500 Dollar wieder auf freien Fuß gesetzt. Bereits am Mittwoch kehrte er in sein Gouverneurs-Büro zurück. Barack Obama selbst hat Blagojevich inzwischen zum Rücktritt aufgefordert. Der künftige Präsident stimme der Einschätzung zu, dass es für den Gouverneur „unter den gegebenen Umständen schwer ist, seine Aufgaben effektiv zu erledigen und den Menschen in Illinois zu dienen“, zitierte die „Washington Post“ Obamas Sprecher, Robert Gibbs.

Kurz nach der Verhaftung von Blagojevich hatte sich Obama noch auffallend zurückgehalten, während führende Demokraten aus Illinois bereits den Kopf ihres gefallenen Parteifreundes forderten. „Das ist eine laufende Ermittlung. Ich halte es nicht für angemessen, mich auf der Grundlage meiner bisherigen Erkenntnisse zu äußern“, zitiert die „Chicago Tribune“ aus einem Interview mit Obama. Über „diese Angelegenheit“, die Besetzung des vakanten Senatspostens, habe er mit dem Gouverneur nicht gesprochen.

Die inzwischen erfolgte Distanzierung hat gute Gründe. Obama und David Axelrod wissen, dass jegliche Nähe zu Blagojevich „toxisch“ ist. Schon der leiseste Verdacht, Obama könnte mit Blagojevich Absprachen getroffen haben, würde die Präsidentschaft von Obama belasten, bevor sie begonnen hat. Dabei gibt es ohnehin bereits eine unangenehme Querverbindung zwischen Blagojevich und Obama – und die heißt Tony Rezko.

Der Geschäftsmann aus Chicago, der im Frühjahr wegen Korruption verurteilt wurde und seither in Haft ist, war über Jahre ein Spendensammler für Obama. Zudem teilten sie sich den Kauf eines Grundstücks in Chicago, das Obama allein nicht hätte erwerben können. Gleichzeitig war Rezko aber auch ein Gefolgsmann von Blagojevich. Nach Informationen der Staatsanwaltschaft empfahl Rezko Blagojevich regelmäßig Personen für wichtige Ämter in der Administration von Illinois. Dabei handelte es sich fast immer um treue Spender für den serbischstämmigen Blagojevich. Obama selbst unterstützte die politischen Ambitionen des Gouverneurs; 2002 und 2006 empfahl er dessen Wahl in das Spitzenamt des Staates Illinois.

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