Afghanischer Präsident tritt ab
Das Ende einer schwierigen Beziehung

Hamid Karsai wäre gern derjenige, der Afghanistan Frieden brachte. Nicht nur dieses Ziel hat der Präsident in mehr als zwölf Jahren Amtszeit verfehlt. Afghanistan ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt.
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KabulHamid Karsai verhandelte Ende 2001 mit den Taliban über deren Kapitulation im südafghanischen Kandahar, als ihn ein Anruf erreichte. Am Satellitentelefon erfuhr er, dass sich die Afghanistan-Konferenz in Bonn auf ihn als Übergangspräsidenten geeinigt hatte. Der Paschtune stieg zum Hoffnungsträger des Westens auf, der seinem Land Frieden und Wiederaufbau bringen sollte. Nach mehr als zwölf Jahren im Amt tritt der 56-jährige Politologe bei der Präsidentenwahl am 5. April nicht mehr an. Seine Bilanz ist ernüchternd. Sein Verhältnis zu den USA ist zerrüttet. Afghanistan ist zum Ende seiner Amtszeit immer noch eines der unsichersten und ärmsten Länder der Welt.

„Meinen Freund“ nannte der damalige US-Präsident George W. Bush Karsai im Mai 2005. „Ich habe großes Vertrauen in die Zukunft Afghanistans“, sagte Bush damals bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Karsai in Washington. „Und ich habe großes Vertrauen in diesen Mann als Anführer.“ Karsai dankte Bush für „die Sicherheit, den Wiederaufbau und die Freiheiten, die das afghanische Volk heute hat“. Solche freundlichen Worte gehören schon lange der Vergangenheit an. Nach dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama verschlechterten sich die bilateralen Beziehungen dramatisch.

Den Tiefpunkt markierte die Präsidentenwahl 2009. Karsai sah sich schweren Betrugsvorwürfen seines Lagers ausgesetzt. Der Präsident wiederum warf dem Westen vor, versucht zu haben, die Wahl zu manipulieren und ihn um seinen Sieg zu bringen. Der Ton wurde ruppig, der britische Premierminister Gordon Brown nannte Karsais Regierung nach der Wahl „ein Synonym für Korruption“. Karsais Kritik besonders am internationalen Militäreinsatz wuchs.

Im vergangenen Oktober verstieg sich der Präsident in einem Interview zu der Aussage, der Einsatz der Internationalen Schutztruppe Isaf habe Afghanistan „viel Leid gebracht, den Verlust zahlreicher Leben und keine Vorteile - denn das Land ist nicht sicher“. Seit November weigert er sich, ein von ihm selbst ausgehandeltes Abkommen mit den USA zu unterzeichnen, das Voraussetzung für einen internationalen Militäreinsatz ab 2015 ist. Inzwischen gilt Karsai im Westen mindestens als schwierig, wenn nicht als unberechenbar.

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Er tritt ohne Murren nach zwei Legislaturperioden ab

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