International
Afghanistan: 2 500 Soldaten zu wenig

Nach wie vor sind nicht genügend Soldaten im unruhigen Süden des Landes stationiert. US-Präsident George W. Bush forderte deshalb ein größeres Engagement der Nato-Staaten. Kanada warnte indes, die Zustimmung im Land könnte bei anhaltenden Opfern schwinden.

HB TALLIN/ RIGA. US-Präsident George W. Bush hat seine Forderung an die Nato-Partner nach einem größeren Engagement in Afghanistan untermauert. Kurz vor Beginn des Nato-Gipfels in Riga mahnte Bush am Dienstag in Tallinn zugleich, bestehende Einschränkungen für Soldaten vor Ort aufzuheben. „Um in Afghanistan erfolgreich zu sein, müssen die Nato-Alliierten die Truppen zur Verfügung stellen, die die militärische Führung benötigt.“ Auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer beharrte auf der Entsendung weiterer Soldaten.

Am Nachmittag traf Bush in Riga ein, wo am Abend der Nato-Gipfel beginnen sollte. In der lettischen Hauptstadt wurde auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet. De Hoop Scheffer wies darauf hin, dass die Allianz im unruhigen Süden zu wenig Soldaten habe. „Genauso wie wir Kampftruppen brauchen, die auch beim Wiederaufbau helfen können, können wir es uns nicht leisten, Wiederaufbauteams zu entsenden, die nicht kämpfen können“, sagte De Hoop Scheffer bei einer Sicherheitskonferenz vor Beginn des Gipfels.

Auch auf Deutschland ist der Druck gestiegen, Bundeswehr-Soldaten zu Kampfeinsätzen in den Süden zu schicken, wo sich Nato-Verbände heftige Kämpfe mit den radikal-islamischen Taliban liefern. Die militärische Nato-Führung hatte vergangene Woche darauf hingewiesen, dass der Allianz etwa 2 500 Soldaten fehlten. In Afghanistan sind bereits 32 500 Isaf-Soldaten stationiert. Eine Verlegung deutscher Kampfverbände ist nach dem bestehenden Bundestags-Mandat nicht möglich. Die Bundeswehr hat knapp 3 000 Mann im relativ sicheren Norden Afghanistans stationiert. Im Süden kämpfen vor allem kanadische, britische und niederländische Soldaten.

De Hoop Scheffer warnt vor Panikmache

Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte in Interviews mit den Fernsehsendern n-tv und N24, Deutschland sei bereit zu helfen, sollten die Partnerstaaten in Not geraten. „Das gilt für Gesamt-Afghanistan“, sagte Jung, betonte zugleich aber: „Es wird keine Verlegung von Truppen aus dem Norden in den Süden erfolgen.“ Der kanadische Außenminister Peter MacKay warnte indes, die Zustimmung in seinem Land zu dem Einsatz könnte bei anhaltenden Opfern schwinden. Bislang sind 44 kanadische Soldaten in Afghanistan getötet worden.

Der Einsatz in Afghanistan steht im Mittelpunkt des zweitägigen Gipfels in Riga. Die Staats- und Regierungschefs wollten sich des Themas bei einem Abendessen am Dienstag annehmen. Dabei sollte auch der Vorschlag des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac erörtert werden, eine internationale Kontaktgruppe für Afghanistan zu gründen, die den Wiederaufbau des Landes fördern soll. Vertreten sein sollen darin die Truppen stellenden Staaten, Länder aus der Region sowie internationale Organisationen.

De Hoop Scheffer begrüßte die Idee. Zugleich äußerte der Nato-Generalsekretär die Hoffnung, dass die Allianz 2008 mit der Übergabe der Kontrolle des Landes an die afghanischen Sicherheitskräfte beginnen könne. Voraussetzung dafür sei, dass die afghanischen Behörden selbst die Verantwortung für die Sicherheit des Landes übernehmen könnten. Er hoffe, dass der Gipfel entsprechende Signale für neue Ausbildungsprogramme setzen werde.

De Hoop Scheffer warnte aber vor Panikmache. „Wir müssen ehrlich sein und auf die Risiken hinweisen, aber wir sollten die Schwierigkeiten nicht dramatisieren.“ Er verwies darauf, dass Afghanistan mittlerweile eine Verfassung, ein gewähltes Parlament und einen gewählten Präsidenten habe. Auch im Gesundheitssystem, dem Bildungswesen und in der wirtschaftlichen Entwicklung habe es Fortschritte gegeben, sagte De Hoop Scheffer.

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