Afghanistan
Amerikas ungeliebter Krieg geht weiter

Komplette Kehrtwende in der Afghanistan-Politik: Donald Trump führt den Krieg weiter. Aber nun im Verborgenen, um dem Gegner keine Anhaltspunkte zu geben. Wird Amerika den neuen Kurs unterstützen?
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San Francisco„Mein erster Instinkt hat mir gesagt, wir müssen da raus, und normalerweise folge ich meinem Instinkt.“ Aber Dinge sähen halt „anders aus, wenn man am Schreibtisch“ sitzt. US-Präsident Donald Trump räumte direkt zu Beginn seiner Ansprache an die Nation ein, dass er sein Wahlversprechen brechen und gegen seine Instinkte handeln wird. Die US-Truppen sollen in Afghanistan stationiert bleiben, er will aber nicht bekanntgeben, wie viele es sein werden oder wie lange sie dort bleiben werden.

Statt nach „Zeitpunkten“ soll anhand von „Fortschritten vor Ort“ entschieden werden, damit die Gegner keine Anhaltspunkte mehr haben, was wann passieren wird. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Wenn sich die Verhältnisse nicht ändern, könnte der Einsatz ewig dauern. Deshalb betonte er zugleich, die Unterstützung sei nicht „unendlich“ und auch kein „Blankoscheck“ für die afghanische Regierung.

Unverblümte Botschaften gab es auch an die Partnerländer Indien und vor allem die überwiegend islamische Nuklearmacht Pakistan. Dort seien die Terroristen „beheimatet, die wir verfolgen“, so Trump. Dem soll ein Ende gesetzt werden, „und zwar schnell“, betonte er unter Hinweis auf die Wirtschaftsströme zwischen diesen Ländern und den USA. Im Grund war es die Androhung eines neuen Wirtschaftskriegs, wenn die Aktivitäten gegen den Terror nicht verstärkt würden.

Ein ernster und fokussierter US-Präsident präsentierte sich am Montag in Fort Myer in Virginia. Die schnörkellose Ansprache an die Nation kam ohne jegliche Seitenhiebe auf politische Gegner aus, ohne Selbstbeweihräucherung und unnötigen Narzissmus. Trump hielt sich eisern an seine Vorgaben, es gab keine spontanen Sondereinlagen zu ebenso überraschenden wie irrelevanten Themen.

Trump hat ein Glaubwürdigkeitsproblem

Zusammen mit seinen Sicherheitsberatern habe er die Situation ausführlich analysiert und sei zu einer Lösung gekommen. Die wiederum sieht so aus, wie man sie erwartet, wenn der Präsident überwiegend von Ex-Generälen umgeben ist. „Wir dürfen die Fehler, die wir in Irak gemacht haben, in Afghanistan nicht wiederholen“, erklärte Trump. Ein überhasteter Rückzug aus Afghanistan würde nur ein „Vakuum hinterlassen“, so wie es im Irak passiert sei.

Deswegen bleiben die US-Truppen in Afghanistan, obwohl Trump die „Frustration der Menschen“ in den USA nach fast 17 Jahren Krieg teile. Seine neue Strategie werde aber zu einem Sieg führen. Das US-Militär vor Ort werde praktisch völlig freie Hand bekommen. Die Menschen müssten ihm nur glauben. Aber genau da liegt das Problem.

Trump hat ohnehin ein Glaubwürdigkeitsproblem und am Montag hat er es nur noch weiter verschärft. Seit 2011 hat er per Twitter immer wieder die Afghanistan-Politik von Barack Obama als vollständiges Desaster kritisiert, den sofortigen Abzug aller Truppen gefordert. Die Beendigung der „Verschwendung von Geld und Menschenleben“ in dem längsten Krieg, den die Vereinigten Staaten je geführt haben, war zentrales Wahlkampfthema.

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Amerikas ungeliebter Krieg geht weiter

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Alte Versprechen werden gebrochen

Kommentare zu " Afghanistan: Amerikas ungeliebter Krieg geht weiter"

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  • Kiffen für den Weltfrieden ? ! Das wäre doch mal was...

  • Statt in Afghanistan die Truppenpräsenz zu verstärken, sollte man lieber sämtliche Drogen freigeben.

    Neben der nachhaltigen Austrocknung einer der Haupt-Finanzierungsquellen von Terror und Gewalt (insbesondere in Lateinamerika) hätte das wahrscheinlich mittelbar noch den "Nebeneffekt", dass dann weit weniger Leute als heute das Bedürfnis haben dürften, sich mit dem Zeug das Bewusstsein wegzuballern (weil sie die Realität sonst nicht mehr aushalten). Zwei Fliegen mit einer Klappe.

    Die Amerikaner sind schließlich nach der Aufhebung der Prohibition auch nicht schlagartig zu einem Volk von Alkoholikern geworden.

    Obiger Vorschlag gilt übrigens für alle Regierungs- und sonswie Verantwortlichen, denen tatsächlich am Wohl der Bevölkerung gelegen ist.

  • Genau wir müssen wieder Kriege gewinnen und unsere Weltordnung sicherstellen! Es kann nicht sein, dass Iran, China und Russland Imperium gefährden. Sie sollten langsam die Weltordnung so annehmen und sich versklaven lassen...

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