Afghanistan
Angeblich Zivililsten bei US-Luftangriff getötet

Bei einem Luftangriff zur Unterstützung von Nato-Truppen sollen im Süden Afghanistans mindestens 21 Zivilpersonen ums Leben gekommen sein. Taliban-Kämpfer hätten bei Kämpfen im Bezirk Sangin in Häusern von Bewohnern Zuflucht gesucht, sagte der Gouverneur der Provinz Helmand am Mittwoch.

HB KANDAHAR. Helmand liegt im Süden Afghanistans und gilt als Hochburg der radikal-islamischen Taliban, die von den Nato-Truppen bekämpft werden. Die Nato-Geschosse trafen den Angaben zufolge mehrere Häuser in einem Dorf im Bezirk Sangin, wo die Soldaten seit Wochen gezielt gegen die Taliban vorgehen. Die Region gehört zugleich zu einem der Hauptanbaugebiete für Opium, mit dessen Handel sich die Extremisten finanzieren.

Die Nato erklärte, sie habe mit einem Einsatz in dem genannten Gebiet nichts zu tun gehabt. In der Nacht sei allerdings ein Soldat einer US-geführten Einheit in Sangin getötet worden. Ein Sprecher der US-Armee sagte, er habe Berichte über zivile Tote gehört, seinen Informationen zufolge handle es sich bei den Toten aber um Extremisten.

Die Nato wird im Süden Afghanistans von deutschen Tornado-Aufklärungsflugzeugen unterstützt, die Taliban-Stellungen auskundschaften sollen. Zudem beteiligt sich Deutschland im Norden des Landes mit rund 3000 Bundeswehrsoldaten am Nato-Einsatz.

Afghanischen Angaben zufolge steigt die Zahl der zivilen Todesopfer westlicher Angriffe mit dem Vorfall in Helmand auf fast 90 innerhalb von zwei Wochen. In der vergangenen Woche hat Präsident Hamid Karsai damit gedroht, dass den Afghanen angesichts der Opfer der Geduldsfaden reißen werde. Vorfälle wie der in Helmand haben wiederholt anti-westliche Proteste ausgelöst, die sich auch gegen Karsais Regierung richteten.

Die Nato prüft derzeit Veränderungen in ihrer Vorgehensweise, um weniger Zivilisten zu treffen. Das Militärbündnis wisse, dass es auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen sei, sagte Nato-Sprecher Nicholas Lunt. Die Nato-Truppen sollen dabei helfen, die Souveränität der Regierung in Kabul im ganzen Land durchzusetzen und die aufständischen Islamisten zu schlagen. Die Taliban wurden wenige Monate nach den Anschlägen in den USA im September 2001 gestürzt, weil sie die Attentäter unterstützt hatten.

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