Afghanistan
Anschläge behindern Wiederaufbau

Die neue Welle der Gewalt in Afghanistan ebbt nicht ab. Am gestrigen Dienstag erschütterten zwei Bombenanschläge die Hauptstadt Kabul. Um die Entwicklungshilfe trotzdem fortsetzen zu können, sollen Bundeswehrsoldaten zivile Aufbauhelfer schützen. Doch immer häufiger werden sie selbst zur Zielscheibe.

BERLIN. Ein Sprengsatz explodierte 200 Meter vom Amtssitz des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai entfernt. Im Osten des Landes fielen fünf afghanische Arbeiter einem Anschlag zum Opfer. Laut örtlicher Polizei wurden sie attackiert, weil sie für die amerikanischen Streitkräfte tätig waren.

Das Bundesverteidigungsministerium beobachtet bereits seit einigen Wochen zunehmend nervös die steigende Zahl terroristischer Attacken am Hindukusch. Ressortchef Franz Josef Jung (CDU) räumte nach einigem Zögern jetzt öffentlich ein, er sei „in größter Sorge“ über die Sicherheitslage. Insgesamt gab es in Afghanistan nach Angaben des Ministeriums im ersten Halbjahr 2006 bereits so viele Anschläge wie im ganzen vergangenen Jahr. Zwar heißt es weiterhin in internen Regierungspapieren, dass „erhebliche regionale Unterschiede“ bestünden: „Die Zweiteilung des Landes in einen relativ sicheren Westen und Norden sowie Risikogebieten im Osten und Süden hat unverändert Bestand.“ Grundsätzlich müsse jedoch überall in Afghanistan mit Selbstmordanschlägen gerechnet werden.

Vergangene Woche stand auch die Bundeswehr im Norden drei Mal kurz hintereinander unter Beschuss. Registriert wurden in diesem Jahr bereits 13 Anschläge gegen die deutschen Streitkräfte – im Gegensatz zu neun Anschlägen 2005. Dass die Bundeswehr seit einem Monat die Verantwortung für alle von der Nato gestellten Soldaten im Nord-Sektor des Landes übernommen hat, könnte nach Meinung von Sicherheitspolitikern zusätzliche Gefahren für die Truppe bergen.

Die Sicherheitslage ist aber nicht nur für die Soldaten kritisch. Besorgt äußerten sich jetzt auch Entwicklungshelfer: „Das Unsicherheitsgefühl unserer Mitarbeiter hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr ganz klar erhöht“, sagte Andreas Clausing, bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (Gtz) zuständig für das Land am Hindukusch, dem Handelsblatt. „Solche Vorfälle hatte man nicht erwartet.“

Die Gtz ist, anders als die Bundeswehr, auch über die Nordregion hinaus in anderen Landesteilen Afghanistans vertreten – insgesamt mit 700 Mitarbeitern. Rund 50 von ihnen sind aus Deutschland entsandt, der Rest sind lokale Mitarbeiter.

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