Afghanistan
Anschlag in Kundus während Steinmeier-Visite

Bei einem Selbstmordanschlag im norgafghanischen Kundus sind fünf deutsche Soldaten verletzt worden. Am Morgen ist Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier überraschend nach Afghanistan gereist. Er will während der kommenden zwei Tage Gespräche führen.

HB KABUL. Zu dem Anschlag sei es am Mittwoch im Distrikt Ali Abad gekommen, sagte der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Soldaten seien leicht verletzt worden, als ein Attentäter den an seinem Körper befestigten Sprengstoff gezündet habe. Der Attentäter sei getötet worden. Zivilisten seien nicht zu Schaden gekommen.

Die Taliban übernahmen die Verantwortung für die Tat. Taliban- Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, einer der Kämpfer der Aufständischen namens Nasratullah habe sich in einem Auto neben zwei Bundeswehr-Fahrzeugen in die Luft gesprengt. Alle deutschen Soldaten in den Fahrzeugen seien getötet worden. Angaben der Taliban zu Opfern bei ihren Anschlägen sind hochgradig unzuverlässig.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat Afghanistan weitere Hilfe beim Wiederaufbau des Landes zugesagt. "Wir wollen dafür sorgen, dass das afghanische Volk nach vielen Jahren des Krieges und des Bürgerkrieges wieder auf die Beine kommt", sagte Steinmeier nach einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai am Mittwoch in Kabul. Im Kampf gegen den Terrorismus sprach sich Steinmeier für eine "regionale Lösung" aus, in die auch die benachbarte Atommacht Pakistan einbezogen werden müsse. "Solange das nicht der Fall ist, werden auch unsere Bemühungen in Afghanistan nur begrenzt erfolgreich sein."

Karsai bedankte sich nach dem 45-minütigen Treffen mit Steinmeier für die deutsche Unterstützung seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Afghanistan sei "sehr glücklich" über den deutschen Beitrag zum Wiederaufbau und zur Stabilisierung des Landes. Steinmeier (SPD) war am Mittwoch zu einem aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehaltenen Besuch in Afghanistan eingetroffen. Erst vor drei Wochen war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Afghanistan. Merkel besuchte die deutschen Truppen im Norden des Landes. Auf Gespräche mit der Regierung in Kabul verzichtete sie. Derzeit sind in Afghanistan etwa 3800 deutsche Soldaten stationiert. Die Zahl soll in den nächsten Monaten auf etwa 4400 erhöht werden.

Die Nato hatte kürzlich beschlossen, sich neben der Bekämpfung der Taliban stärker um den Wiederaufbau des Landes zu kümmern. Im August wird in Afghanistan ein neuer Präsident gewählt. An Karsai, der bereits seit 2001 im Amt ist, gab es in den vergangenen Monaten zunehmend Kritik aus dem Westen. Insbesondere wird ihm vorgeworfen, zu wenig zur Bekämpfung der Korruption zu unternehmen.

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